Nachruf Erika Simon

Am 15. Februar dieses Jahres verstarb im hohen Alter von 91 Jahren die Würzburger Klassische Archäologin Prof. em. Dr. Dr. h. c. mult. Erika Simon. Erika Simon war die erste Frau, die in Deutschland einen Lehrstuhl für Klassische Archäologie erhielt. Nach ihrer 1957 erfolgten Habilitation an der Universität Mainz lehrte sie zunächst ab 1958 als außerplanmäßige Professorin an der Universität Heidelberg, bevor sie 1964 schließlich an die Universität Würzburg berufen wurde. Der Universität Würzburg und dem dortigen Martin von Wagner Museum blieb Erika Simon auch nach ihrer Emeritierung 1994 eng verbunden.

Erika Simon war eine bedeutende Archäologin mit zahlreichen Publikationen zur Kunst der Griechen, Etrusker und Römer. Ihre Götter der Griechen (München 1969, mit diversen Neuauflagen) war die erste archäologische Monographie, die mir zu Beginn meines eigenen Studiums geschenkt wurde. Simon war maßgeblich beteiligt an der Herausgabe des wichtigen Lexicon Iconographicum Mythologiae Classicae (kurz LIMC) und gab noch 2006 einen Sammelband The Religion of the Etruscans (mit)heraus, in dem sie die Forschungen der deutschen und italienischen Etruskologie einem anglophonen Publikum bekannt machte. Ihre Verdienste um die Wissenschaft wurden unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz und dem Bayerischen Verdienstorden geehrt.

Durch ihre jahrzehntelange Sonderstellung als einzige westdeutsche Ordinaria für Klassische Archäologie hatte Erika Simon eine Vorbildfunktion für weibliche Studierende. Sie war die Ausnahme von der Regel, die bewies, dass es rein theoretisch auch in einem für Frauen wenig freundlichen, männerdominierten Umfeld möglich ist, wissenschaftliche Karriere zu machen. In dieser Rolle wurde sie 2001 zur zehnjährigen Jubiläumstagung von FemArc zu Göttinnen, Gräberinnen und gelehrte Frauen nach Berlin eingeladen. Das Tagungsthema hätte für die Eingeladene kaum besser gewählt gewesen sein können.

Susanne Moraw