ARBEITSKREIS FÜR INTERDISZIPLINÄRE MÄNNER- UND GESCHLECHTERFORSCHUNG Kultur-, Geschichts- und Sozialwissenschaften (AIM GENDER) und Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Fachbereich Geschichte
18.06.2020–20.06.2020, Stuttgart-Hohenheim, Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart – Tagungszentrum Hohenheim – Paracelsusstraße 91, 70599 Stuttgart

Ziel des Arbeitskreises AIM GENDER ist die fächerübergreifende gegenseitige Wahrnehmung und Kooperation von Forschenden aus Geschichts-, Literatur-, Kultur- und Politikwissenschaften sowie der Soziologie, die zum Thema Männlichkeiten und deren Auswirkungen auf Kultur und Gesellschaft in Vergangenheit und Gegenwart arbeiten. Beiträge aus anderen Fachrichtungen sind willkommen. Informationen über den Arbeitskreis und vergangene Tagungen stehen auf den Webseiten von AIM Gender.

Die 13. AIM Gender-Tagung greift anthropologische, historische, ästhetisch-literarische Hervorbringungen und soziale Konstellationen des Verhältnisses von Männlichkeiten und Natur sowie Männern zu sich selbst auf. Nicht erst mit den prominenten Naturbeschreibungen des norwegischen Schriftstellers Karl Ove Knausgård erscheint das Verhältnis zwischen Männlichkeiten und Natur wieder auf der Agenda. Auch bei den Auseinandersetzungen um den Klimawandel wird gegenwärtig Männlichkeit zum Thema: alltägliche Praxen wie extensiver Fleischkonsum oder unlimitiertes Autofahren werden hier ebenso mit Männlichkeit in Beziehung gebracht, wie die Zerstörung natürlicher Ressourcen.
Männlichkeiten und Natur stehen in einem dialektischen Wechselverhältnis zueinander: auf der einen Seite männliche Tendenzen zu Zerstörung, Instrumentalisierung und Ausbeutung, auf der anderen Seite männliche Kompensations- und Harmonisierungsbestrebungen. Anknüpfen lässt sich in diesem Zusammenhang an die vielfältigen Konzepte und Praktiken der männlichen Mimesis von Natur bzw. von Naturgeschehen. Thematisierungsfelder sind etwa hoch artifizielle Opferrituale, Formen der Dionysik oder auch Mythenbearbeitungen einerseits und diverse Idealisierungen (z.B. Schönheits- und Humanitätskonzepte, Strategien der Effeminierung, männliche Ergänzungs- und Ganzheitskonzepte) sowie Strategien der Vereinfachung, der Re-Essentialisierung, auch im Sinn eines „Zurück zur Natur“ (Rousseau) andererseits.
In der internationalen Debatte an der Schnittstelle von akademischer und politisch-aktivistischer Forschung ist augenfällig, dass Naturverhältnisse auch als Erd-Verhältnisse und Weltverhältnisse gedacht werden – wie in Bruno Latours terrestischem Manifest (2018), aber auch in Arturo Escobars Design for the Pluriverse (2017). Das Denken von (modernen) Verhältnissen selbst wird hier problematisiert, das Denken in ontologischen Dualismen, in rationalen Logiken, und auch dieses Denken wird mit Männlichkeit und patriarchalen Ordnungen in Beziehung gesetzt. Natur-Kultur, Mensch-Tier, Zivilisation-Tradition, Mann-Frau, Schwarz-Weiß sind vor diesem Hintergrund ordnende Dualismen, die eine spezifische Vorstellung der einen Welt hervorbringen. Nicht nur Gayatri Chakravorty Spivak hat dieses worlding kritisiert, das fortlaufend (post-)koloniale (Welt-)Konstellationen legitimiert.
Auf der anderen Seite sind die individuellen Kosten der Konditionierung auf Beherrschung erkennbar. Die Gesundheitspsychologie konstatiert bei Männern eine verbreitete geringere Sensibilität für Körpersignale, eine Sozialisation auf Zurückhaltung, wenn nicht Unterdrückung von Gefühlsäußerungen bis hin zur psychischen Panzerung. Analysen von Veränderungen der Leitbilder von Männlichkeit sowie des Verhaltens von Männern könnten die Validität dieser geschlechterspezifischen Dispositionen präzisieren.
Darüber hinaus würde es sich lohnen, anhand historischer und aktualitätsbezogener Beiträge das Verhältnis von Ästhetik, Natur und Männlichkeiten genauer in den Blick zu nehmen. Hier stellt sich die Frage, wie historisch jeweils neue ästhetische Konzepte und künstlerische Praktiken 'Natur' und Männlichkeiten, etwa in Bezug auf künstlerische Selbstkonzepte (z.B. der Geniebegriff im 18. Jahrhundert) und ästhetisch-ethische Existenzweisen (z.B. neue Formen des „nature writing“ in der Gegenwartsliteratur), aufeinander beziehen. Anregungen gehen dabei sicherlich auch von neueren und aktuellen naturästhetischen bzw. -philosophischen oder kultursoziologischen Studien aus, wie etwa von Hartmut Rosas Resonanztheorie, die möglicherweise den Blick auf alternative Relationierungen von Männlichkeiten und innerer/äußerer Natur eröffnen.

Wir laden ein, Abstracts (höchstens eine Seite, max. 1800 Zeichen, bitte nur als PDF (!)) für ein Papier bis zum 8. März an martin.dinges(at)outlook.de zu schicken. Das Abstract muss Name, Fachrichtung, Position und E-Mail-Adresse des oder der Vorschlagenden und einen Vortragstitel enthalten. Die Problemstellung und die benutzten Materialien sollten klar herausgearbeitet werden. Aus diesen Abstracts wird das Programm zusammengestellt. Spätestens am 22. März werden Sie informiert, ob Ihr Vorschlag für das Programm angenommen worden ist.

Tagungssprache ist Deutsch. Abstracts und Vorträge können aber auch in englischer Sprache vorgelegt bzw. gehalten werden.
Deadlines
8. März 2020: Einreichen der Abstracts an: martin.dinges(at)outlook.de
22. März 2020: Mitteilung über Annahme/Ablehnung

Die Einladenden
Prof. Dr. Martin Dinges (Historiker) Institut für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung, Stuttgart
Prof. Dr. Diana Lengersdorf (Soziologin), Universität Bielefeld
Dr. Petra Steymans-Kurz (Historikerin), Fachbereich Geschichte der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart
Prof. Dr. Toni Tholen (Literaturwissenschaftler), Universität Hildesheim

Eine Finanzierung kann nicht übernommen werden.
Voraussichtliche Tagungskosten:
- inkl. Verpflegung und Übernachtung im EZ: 130,00 EUR
- inkl. Verpflegung und Übernachtung im DZ: 118,00 EUR
- ohne Übernachtung und Frühstück: 60,00 EUR
Ermäßigt
- inkl. Verpflegung und Übernachtung im DZ: 60,00 EUR
- ohne Übernachtung und Frühstück: 12,00 EUR

Dr. Petra Steymans-Kurz
Fachbereich Geschichte
Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart
Im Schellenkönig 61
70184 Stuttgart
Telefon +49 711 1640 753
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Nähere Informationen zur Veranstaltung

https://www.akademie-rs.de/vakt_23137

URL zur Zitation dieses Beitrages

http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/termine/id=42347