Call for Papers: Blut, Wasser oder DNA?
Familien jenseits von (biologischer) Verwandtschaft.
Sitzung der AG Geschlechterforschung beim Archäologiekongress am 24.09.2026 in Bonn
21.01.2026
Abgabeschluss ist der 31.3.2026.
See english Version below
Familien, Abstammung und Ehe waren praktisch immer schon Gegenstand der Archäologie und werden auch in der archäologischen Geschlechterforschung regelmäßig diskutiert. In den letzten zwei Jahrzehnten hat insbesondere die Archäogenetik, aber auch andere naturwissenschaftliche Verfahren neue, vielversprechende Ergebnisse zu Verwandtschaften in archäologisch fassbaren Populationen erbracht. Doch Verwandtschaft und Familie gehen in der Regel weit über rein genetische Abstammungsverhältnisse hinaus, Elternschaft, Ehen und Partnerschaften fanden in sehr viel mehr Formen statt als lange Zeit in unserem Fach diskutiert wurde.
Zunehmend wächst das Bewusstsein dafür, dass Familie sich ebenso durch soziale Beziehungen wie durch Abstammung konstituieren können, s. etwa Beiträge in Meller u.a. 2023; Cveček u.a. 2025. Adoptiveltern, Ziehgeschwister, Ammen, Alloelternschaften, Erziehung in Institutionen wie Klöstern oder befreundeten Familien sind nur einige der Möglichkeiten von Verwandtschaft und Familie, die wir nicht mit Methoden der Genetik erfassen können.
Auch das Thema Geschlecht spielt bei der Erforschung von Familie und Verwandtschaft eine wichtige Rolle. Dieser Schnittmenge wollen wir uns bei der kommenden Session der AG Geschlechterforschung widmen.
Vorträge können sich unter anderem folgenden Aspekten widmen:
• Geschlecht kann ein wichtiger Faktor bei der Strukturierung von Abstammung und Verwandtschaft sein. So können die Archäologie und ihre Nachbarwissenschaften Hinweise auf matri- und patrilineare Abstammungslinien sowie Matri- oder Patrilokalität geben.
• Gab es in allen Kulturen einen Familienbegriff? Und wer gehörte jeweils dazu?
• Die Vererbung von Besitz und die Weitergabe von Status oder Rollen können mit einem geschlechterarchäologischen Ansatz betrachtet werden, etwa unter dem Gesichtspunkt, wer aufgrund von Abstammung in bestimmte soziale Positionen gelangte und in welchem Umfang dies über genetische Verwandtschaft erfolgt.
• Ein weiteres wichtiges Themenfeld ist Carearbeit, etwa wer Carearbeit für wen übernimmt und welche Bindungen dadurch entstehen. Konzepte wie Ammen, Pflegeeltern oder andere Arten von Erziehung außerhalb von Familien spielen hierbei ebenso eine Rolle wie der Umgang mit Kinderlosigkeit bzw. die Frage, wer Kinder bekommen durfte.
• Daneben strukturieren Geschlechter, Verwandtschaft und soziale Regeln auch Partnerschaften, etwa durch Heiratsregeln (wer darf wen und wann heiraten?), unterschiedliche Eheformen, inoffizielle Formen der Partnerschaft.
• Vorstellungen von Familie/Verwandtschaft prägen nicht zuletzt auch unser heutiges Bild der Vergangenheit. Wir müssen uns fragen, wie wir den Vorstellungen von Familie, Partnerschaft und Verwandtschaft prähistorischer Gesellschaften auf die Spur kommen und inwieweit uns unsere eigenen Vorstellungen dabei im Weg stehen und unsere Interpretationen beeinflussen. Bei der Beschäftigung mit dem gesamten Themenfeld ist es wichtig zu hinterfragen, welche Bilder von Familie unsere archäologischen Ergebnisse und Rekonstruktionen prägen. Daneben sind auch ganz allgemein Vorträge, die sich mit aktueller Forschung im Bereich der Geschlechterarchäologie beschäftigen, willkommen.
Wir planen Vorträge auf deutsch oder englisch von jeweils 20 Minuten Länge und freuen uns über Zusammenfassungen von ca. 250 bis 400 Worten an folgende Mailadresse: AGGender2026@gmx.de . Abgabeschluss ist der 31.3.2026.
Organisation: Jana Esther Fries, Clara Schaller
Blood, water or DNA? Family beyond (biological) relatedness
Session of the AG Geschlechterforschung at the Archäologiekongress on 24.09.2026 in Bonn
Family, ancestry, and marriage have always been subjects of archaeology and are also a recurrent theme in archaeological gender studies. Over the last two decades particularly archaeogenetics, but also other scientific methods, have reveald promising new results on kinship in archaeologically accessible populations. However, kinship and family usually supersede purely genetic descent, and parenthood, marriages and partnerships have taken place in many more forms than those that have long been discussed in our field.
There is growing awareness that a family can be constituted by social relationships just as well as descent, see, for example, contributions in Meller et al. 2023; Cveček et al 2025. Adoptive parents, foster siblings, wet nurses, alloparenthood, education in institutions such as monasteries or in trusted families are just some of the possibilities of kinship and family that genetic methods cannot identify.
The subject of gender plays an important role in the investigation of family and kinship as well. In the upcoming session of the AG Geschlechterforschung we will explore this intersection.
Presentations may address the following aspects among others:
• Gender can be an important factor in structuring descent and kinship. For example, archaeology and related sciences can provide clues to matrilinear and patrilinear lines of descent as well as matrilocality and patrilocality.
• Did all cultures have a concept of family? And who was part of it?
• A gender archaeological approach can be used to investigate the inheritance of property and the transfer of status and roles. For example, we can consider who had access to certain social positions based on descent and the extent to which this was based on genetic relatedness.
• Another important topic is care work, for example who provided care work for whom and the social bonds that this generates. Concepts such as wet nurses, foster parents and other methods of child-rearing outside of the family play just as much of a role as the question of childlessness or who was allowed to have children.
• In addition, gender, kinship and social rules also structure partnerships, for example through marriage rules (who was allowed to marry whom?), different forms of marriage, and unofficial forms of partnership.
• Last but not least, concepts of family and kinship influence our contemporary view of the past. We must ask ourselves how we can trace prehistoric societies’ ideas of family, partnership and kinship, and consider to what extent our own ideas hinder and influence our interpretations. When dealing with this subject area, it is important to question which images of family shape our archaeological results and reconstructions.
Additionally, we also welcome presentations dealing with current research in the field of gender archaeology.
We are planning presentations in German or English of 20 minutes each. Please send your abstract of approximately 250 to 400 words to the following email address: AGGender2026@gmx.de.
Submission deadline: 31.3.2026.
Organised by Jana Esther Fries, Clara Schaller

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