
Rezension zu Tine Steen: Die kochenden Affen, avant-verlag, 2025
Rezension von Frauke Wiese, 26.2.2026
Tine Steen, Jahrgang 1965, Künstlerin (Malerei und Bildhauerei), lässt in ihrem Sach-Comic “Die kochenden Affen” (1) eine moderne junge Frau, bepackt mit Einkäufen aus dem Bioladen, in einen Bus einsteigen und ihr Buch lesen.
Damit beginnt die wunderbare Reise zu unseren frühesten Vorfahren und der Frage, welchen Einfluss das Kochen auf die Entwicklung der Menschheit bis heute hat.
Das Buch ist eine Mischung aus Koch- und Sachbuch, das sich zudem mit Fragen zur menschlichen Evolution, Entwicklung der sozialen Hierarchien und zur Geschlechtergerechtigkeit auseinandersetzt. Alle Inhalte und wissenschaftlichen Theorien werden anschaulich und mit einer Prise Humor erläutert. Deshalb ist das Sach-Comic hervorragend auch für Lai*innen geeignet.
Im Anhang findet man detaillierte und umfangreiche Literaturangaben, die zu den einzelnen Kapiteln angegeben werden. Einen Einblick in ihre Arbeitsweise gibt Tine Steen in einem Interview auf den Seiten des Verlages (2).
Dass Kochen nicht nur mit der Beschaffung von Nahrung und ihrer Auf- und Zubereitung zu tun hat, vermittelt die Autorin anschaulich und informativ, indem sie die Leser*innen durch unterschiedliche Epochen, Kultur- und Klimakreise führt, und dabei deren großen Einfluss auf die Sozialstrukturen sichtbar werden lässt. Beginnend bei unseren nahen Verwandten, den Affen, bis zu unseren Vorfahren, den Australopithecinen, über den Homo erectus bis hin zum Homo sapiens heute.
Während Bonoboweibchen nahezu in unveränderten Verhältnissen der Biotope, in denen sie leb(t)en, durch Teilen der Nahrung ihr Bündnis untereinander stärken, waren unsere Vorfahren gezwungen, sich an wechselnde Umweltbedingungen anzupassen (Steppe, Eis, aride Gebiete, Tropen). Die Erfordernis, Nahrung bekömmlich zu machen, brachte ganz unterschiedliche Strategien zur Nahrungsgewinnung hervor. Tine Steen veranschaulicht dies anhand von Beispielen und nimmt die Leser*innen u.a. mit zu Massenernten von Insekten bei den Aborigines in Australien, zur Zubereitung von Murmeltieren in der Mongolei, nach Europa zu Muschelhaufen oder nach Afrika zu den San mit (Grashüpfer).
Durch das Buch hindurch zieht sich der kritische Blick auf die Arbeitsteilung (von der Beschaffung zur Zubereitung der Nahrung) zwischen den Geschlechtern und dem sich anschließenden ‘Lohn’, dem Erhalt der Nahrung (z.B. bei den Hadza in Afrika).
Dabei wird immer wieder der Bogen zu heute, zu einer modernen Mitteleuropäerin mit drei Kindern (sie selbst), ihrem Mann und ihrem Alltag geschlagen. Eines wird besonders deutlich: Der Wert der Nahrung hat sich im Laufe der Jahrmillionen verändert. Während heute Fischstäbchen und Ketchup als gängige und schnell zu beschaffende Nahrung aus dem Supermarkt akzeptiert werden, mussten unsere Vorfahren weitaus kreativer bei ihrer Nahrungsbeschaffung sein. Aber welche Auswirkungen hat dies auf die Geschlechtergerechtigkeit heute?
Tine Steen gelingt es, nicht nur bei dieser Frage das enorme und wissenschaftlich fundierte Wissen, das in diesem Sach-Comic steckt, leicht, informativ und mit einer gelungenen Portion Humor zu verbinden. Unterstrichen wird dies durch die Art ihrer Illustrierung. Dadurch wird man von der ersten Seite an in den Bann der Geschichte gezogen und mag das Buch gar nicht mehr aus den Händen legen.
Besonders gefallen mir die außergewöhnlichen Hintergrundinformationen, wie zum Beispiel das Kapitel „Insekten-Spezial. Würmer, Larven, Mücken.“ Was für viele Mitteleuropäer*innen als Nahrung heute unvorstellbar ist, machte zu früheren Zeiten in großen Teilen der Welt einen nicht unbeachtlichen Bestandteil der Nahrung aus. Auch wenn mich dabei nicht alle Rezepte zum Nachkochen einladen (z.B. Bogong-Motten-Kuchen), liest man sie gerne und freut sich anschließend über die heutige uns zur Verfügung stehende Auswahl an Nahrungsmitteln.
Von der ersten bis zur letzten Zeile ein Lesegenuss.
(1) Tine Steen, 2025: Die kochenden Affen, avant-verlag, Hrsg. Johann Ulrich.
Sach-Comic, 296 Seiten, 29,00 Euro
(2) Interview mit Tine Steen: https://www.avant-verlag.de/2025/11/17/die-kochenden-affen-interview-mit-tine-steen/ (letzter Zugriff 26.02.2026)

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