Umfrage „Harassment, Assault, Bullying and Intimidation in Archaeology“

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Umfrage „Harassment, Assault, Bullying and Intimidation in Archaeology“

Autorin: Cla­ra Schal­ler, Datum: 14.02.2021

 

Die All­ge­gen­wart von sexu­el­ler Beläs­ti­gung und sexu­el­len Über­grif­fen ist ein The­ma, das spä­tes­tens seit 2017 im öffent­li­chen Bewusst­sein ange­kom­men ist. Auch die Archäo­lo­gie hat lei­der damit zu kämp­fen – sei es im uni­ver­si­tä­ren, im öffent­li­chen oder im unter­neh­me­ri­schen Bereich.

Gera­de in den letz­ten Jah­ren sind dage­gen aber ver­schie­de­ne Initia­ti­ven ent­stan­den und es wur­de bereits über meh­re­re Umfra­gen ver­sucht, das Pro­blem sta­tis­tisch zu erfas­sen. Gro­ße Auf­merk­sam­keit in der euro­päi­schen Archäo­lo­gie erfuhr dabei eine Umfra­ge zu sexu­el­ler Beläs­ti­gung in der Archäo­lo­gie mit Teilnehmer*innen vor allem aus Spa­ni­en, deren Ergeb­nis­se 2018 zusam­men mit einer Pos­ter­ak­ti­on auf der Kon­fe­renz in Bar­ce­lo­na prä­sen­tiert und von María Coto Sar­mi­en­to, Lara Del­ga­do Anés, Lour­des López Mar­tí­nez, Jesús Mar­tín Alon­so, Ana Pas­tor Pérez, Apen Ruíz Mar­tí­nez und María Yube­ro Gómez ver­öf­fent­licht wur­den (https://www.researchgate.net/publication/339181406_Informe_Acoso_sexual_en_Arqueologia_Espana). In Deutsch­land führ­te eine Mit­frau 2019 eine Umfra­ge zum The­ma „Sexu­el­le Beläs­ti­gung in der Feld­ar­chäo­lo­gie“ durch, deren Ergeb­nis­se noch publi­ziert wer­den.

Ein­zel­ne Berich­te von Betrof­fe­nen aus dem fran­zö­sisch­spra­chi­gen Raum wur­den 2019 auch in der Aus­stel­lung „Archéo-Sexis­me“ des Pro­jekts „Paye ta Truel­le“ und der Asso­cia­ti­on Archéo-Éthi­que öffent­lich gemacht (https://www.researchgate.net/publication/337655928_Le_sexisme_en_archeologie_ca_n%27existe_pas).

Nicht zuletzt gaben in der Ses­si­on „Not ano­ther 25 years! Com­bat­ting harass­ment and assault in archaeo­lo­gy“ auf der EAA-Online-Tagung 2020 meh­re­re Bei­trä­ge aus ver­schie­de­nen euro­päi­schen Län­dern und den USA Ein­blick in wei­te­re Unter­su­chungs­er­geb­nis­se sowie Initia­ti­ven zur Unter­stüt­zung Betrof­fe­ner und gegen Über­grif­fe, Beläs­ti­gung und Dis­kri­mi­nie­rung in Stu­di­um und Arbeits­platz.

Das Board der Com­mu­ni­ty „Archaeo­lo­gy and Gen­der in Euro­pe“ der EAA und „Paye ta Truel­le“ füh­ren nun bis zum 28.02.2021 eine Online­um­fra­ge durch. Die­se geht nicht nur auf sexu­el­le Beläs­ti­gung und Über­grif­fe, son­dern auch auf Ras­sis­mus, Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund von sexu­el­ler Ori­en­tie­rung, Geschlecht, Behin­de­rung, Alter und Reli­gi­ons­zu­ge­hö­rig­keit sowie wei­te­re For­men von Beläs­ti­gung, Über­grif­fen, Ein­schüch­te­rung und Mob­bing in der euro­päi­schen Archäo­lo­gie ein.

Der Link zur Teil­nah­me ist: http://bit.ly/3qSwi0H (auf Eng­lisch) oder bit.ly/2YhATxm (auf Fran­zö­sisch).

Sol­che Umfra­gen kön­nen dabei nicht nur den Umfang die­ser Pro­ble­me in Zah­len fas­sen und sie sicht­bar machen, son­dern auch eine Grund­la­ge für die Ent­wick­lung von Stra­te­gien bil­den, mit denen dage­gen vor­ge­gan­gen wer­den kann.

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Fundstück: TV-Beitrag zu Neanderthalern

Fundstück: TV-Beitrag zu Neanderthalern

Autorin: Son­ja Grimm, Datum: 27.01.2021

 

TV-Doku­men­tar­fil­me zur Archäo­lo­gie sind zahl­reich und so ver­geht kaum ein Tag, an dem man nicht etwas zu unse­ren Vor­fah­ren im Pro­gramm fin­det. Neben Wikin­gern, Römern und dem alten Ägyp­ten sind oft auch Vor­men­schen, ins­be­son­de­re Nean­der­tha­ler* The­ma. Der Schwer­punkt wie auch die Qua­li­tät der Infor­ma­tio­nen sind dabei sehr unter­schied­lich.

Der Sen­der Arte zeig­te am 10. Okto­ber 2020 die fran­zö­si­sche Doku­men­ta­ti­on „Der Nean­der­ta­ler – Auf den Spu­ren unse­rer Vor­fah­ren“ (À la ren­cont­re de Néan­der­tal, 2019), die unter ande­rem von dem fran­zö­si­schen Natio­nal­in­sti­tut für prä­ven­ti­ve, archäo­lo­gi­sche For­schung (INRAP) mit­pro­du­ziert wur­de. Die Betei­li­gung spie­gel­te sich in der Aktua­li­tät und Qua­li­tät der Gra­bungs- und For­schungs­er­geb­nis­se durch­aus wider, eben­so wie in der Schwer­punkt­set­zung auf aktu­el­le fran­zö­si­sche und bri­ti­sche Ergeb­nis­se. Eine Zuschaue­rin mach­te Fem­Arc den­noch auf den Bei­trag auf­merk­sam, da sie sich neben einer feh­len­den gen­der­ge­rech­ten Spra­che und einer sehr mas­ku­lin fokus­sier­ten Dar­stel­lung von Nean­der­tha­lern wie auch Archäo­lo­gen über Aus­sa­gen zum Tausch von Frau­en empör­te.

So herrsch­te unter den ange­führ­ten Exper­tin­nen** ein deut­li­ches Miss­ver­hält­nis von zwei Frau­en zu zehn Män­nern. Auch dass Bec­cy Scott vom Bri­tish Muse­um mehr Rede­zeit ein­ge­räumt wur­de als ande­ren, hebt die­se männ­li­che Domi­nanz nicht auf. Zudem wur­de in der deut­schen Syn­chron­fas­sung im Sin­gluar immer von „dem Nean­der­tha­ler“ gespro­chen und bei den plas­ti­schen Rekon­struk­tio­nen wur­den ein­zig die männ­li­chen Dar­stel­lun­gen, nicht aber Frau­en und Kin­der gezeigt, die es sehr wohl gibt. Aller­dings wur­den auch die Bil­der des bekann­ten Rekon­struk­ti­ons­zeich­ners Gil­les Tosel­lo genutzt, die oft gan­ze Fami­li­en zei­gen.

Aber wirk­lich die Spra­che hat es mir (wie schon der Zuschaue­rin) ver­schla­gen, als ein wirk­lich unnö­ti­ges Bei­spiel zum Frau­en­han­del ange­führt wur­de. Der wis­sen­schaft­li­che Hin­ter­grund der Aus­sa­gen ist fol­gen­der: In der nord­spa­ni­schen Fund­stel­le El Sidron wur­den 13, etwa 49.000 Jah­re alte Ske­let­te von Nean­der­tha­le­rin­nen und Nean­der­tha­lern gebor­gen. Unter­su­chun­gen an der über die Mut­ter­li­nie über­tra­ge­nen DNS (mtDNA) von zwölf die­ser Indi­vi­du­en zeig­ten, dass die männ­li­chen Nean­der­tha­ler mit­ein­an­der ver­wandt waren und somit aus einer Fami­lie stamm­ten, die Frau­en dage­gen aus ver­schie­de­nen ande­ren Grup­pen. Dies deu­te­ten die For­sche­rin­nen** um Carles Lalue­za-Fox als Patri­lo­ka­li­tät die­ser Grup­pen oder wie der Kol­le­ge Pas­cal Depae­pe es in der Doku­men­ta­ti­on zunächst sehr nüch­tern for­mu­lier­te: Die Frau­en wech­sel­ten die Grup­pen. Aus der Eth­no­gra­phie und ver­schie­de­nen his­to­ri­schen Wildbeuterinnen**-Gruppen ken­nen wir dazu eben­so Bei­spie­le wie aus unse­rer neu­zeit­li­chen Geschich­te.

Lei­der wur­de die­ser sach­li­chen Beschrei­bung noch die vom Kol­le­gen Ludo­vic Sli­mak for­mu­lier­te, nicht beleg­ba­re Aus­ma­lung der Situa­ti­on hin­zu­ge­stellt, dass man sich das Gan­ze als Frau­en­han­del vor­stel­len kön­ne nach dem Mot­to: „Gibst du mir dei­ne Toch­ter, gebe ich dir mei­ne Schwes­ter.“ Eine sol­che Pro­jek­ti­on sagt mehr über die Vor­stel­lun­gen des fran­zö­si­schen Kol­le­gen und sei­ner Hal­tung zu Frau­en aus als über das Ver­hal­ten des Homo nean­der­tha­len­sis. Bedau­er­li­cher­wei­se fan­den auch die Regis­seu­re es not­wen­dig, eine sol­che männ­li­che Besitz­fan­ta­sie mit unse­ren Vor­fah­ren in Ver­bin­dung zu brin­gen, statt ein­fach die wis­sen­schaft­li­che Aus­sa­ge Depae­pes ste­hen zu las­sen.

Wie Nean­der­tha­ler sozia­le Geschlech­ter kon­stru­ier­ten und die­se wie bio­lo­gi­sche Geschlech­ter bewer­te­ten, kön­nen wir archäo­lo­gisch nicht nach­wei­sen. Ein reflek­tier­tes und breit auf­ge­stell­tes Bild der aktu­el­len For­schung zu die­ser aus­ge­stor­be­nen Men­schen­art, ein­schließ­lich der bis­her bekann­ten Unter­schie­de zwi­schen den bio­lo­gi­schen Geschlech­tern (S. 65–70), kann man in dem lei­der bis­her nur auf Eng­lisch zu erhal­te­nen, popu­lär­wis­sen­schaft­lich geschrie­be­nen Buch „Kind­red. Nean­der­thal life, love, death and art“ von der aus­ge­wie­se­nen Exper­tin Rebec­ca Wragg Sykes erhal­ten.

 

* Der Duden sagt, Nean­der­tha­ler sei nach der neu­en Recht­schrei­bung des Nean­der­tals ohne h zu schrei­ben. Da es sich jedoch um einen wis­sen­schaft­li­chen Namen (Homo nean­der­tha­len­sis, 1864) han­delt, soll­te nach Ansicht vie­ler For­sche­rin­nen** die­ser inter­na­tio­nal aner­kann­ten Bezeich­nung der Men­schen­art Vor­rang gege­ben wer­den. Anders aus­ge­drückt: Nean­der­ta­ler sind moder­ne Men­schen, die im Nean­der­tal bei Mett­mann woh­nen, woge­gen Nean­der­tha­ler Ver­tre­ter einer aus­ge­stor­be­nen Men­schen­art sind, die zeit­wei­se auch im Nean­der­tal leb­ten.

**Gene­ri­sches Femi­ni­num.

 

Lite­ra­tur­zi­ta­te:

Lalue­za-Fox, C., Rosas, A., Est­alrrich, A., Gig­li, E., Cam­pos, P. F., Gar­cía-Taber­ne­ro, A., Gar­cía-Var­gas, S., Sán­chez-Quin­to, F., Ramí­rez, O., Civit, S., Bas­tir, M., Huguet, R., San­ta­ma­ría, D., Gil­bert, M. T. P., Wil­lers­lev, E., de la Ras­il­la, M. (2011). Gene­tic evi­dence for patri­lo­cal mating beha­vi­or among Nean­der­tal groups. Pro­cee­dings of the Natio­nal Aca­de­my of Sci­en­ces (PNAS) 108(1), 250–253.

Wragg Sykes, R. (2020). Kind­red. Nean­der­thal life, love, death and art. Bloomsbu­ry Sig­ma (Lon­don).

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Blogparade #femaleheritage

Blogparade #femaleheritage

Autorin: Fem­Arc-Redak­ti­on, Datum: 15.12.2020

 

Auf dem Blog der Münch­ner Stadt­bi­blio­thek wur­de dazu auf­ge­ru­fen, sich mit Bei­trä­gen zu Frau­en und Erin­ne­rungs­kul­tur an der Blog­pa­ra­de #fema­le­he­ri­ta­ge zu betei­li­gen. Vom 11.11. – 09.12.2020 konn­ten Bei­trä­ge ein­ge­reicht wer­den. Neben einem Ein­trag von Fem­Arc (Nr. 20) fin­den sich zwei wei­te­re Arti­kel, die sich mit Archäo­lo­gie und Frau­en beschäf­ti­gen:

Nr. 80 Kros­worl­dia: „#fema­le­he­ri­ta­ge? Frau­en in Archäo­lo­gie und Geschichts­wis­sen­schaft“ (28.11.2020) // @Kristin_Oswald

https://kristinoswald.hypotheses.org/3245

Nr. 138 Staat­li­ches Muse­um Ägyp­ti­scher Kunst: „Satdje­huti“ (8.12.2020) // @smaek_muc

https://smaek.de/news/blogparade-femaleheritage/

Nach dem gro­ßen Erfolg geht die Blog­pa­ra­de in die Ver­län­ge­rung. Alle Bei­trä­ge unter https://blog.muenchner-stadtbibliothek.de/frauen-und-erinnerungskultur-blogparade-femaleheritage/ (etwas run­ter­scrol­len!).

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Die amerikanische Archäologin Harriet Boyd Hawes (1871–1945)

Die amerikanische Archäologin Harriet Boyd Hawes (1871–1945)

Autorin: Ulri­ke Ram­bu­scheck, Datum: 13.11.2020

 

In den ver­schie­de­nen Dis­zi­pli­nen, die alle unter dem Ter­mi­nus Archäo­lo­gie zusam­men­ge­fasst wer­den kön­nen (u. a. Ur- und Früh­ge­schich­te, Klas­si­sche Archäo­lo­gie, Ägyp­to­lo­gie), stu­die­ren mehr Frau­en als Män­ner. Den­noch beklei­den männ­li­che Archäo­lo­gen bis heu­te die höchs­ten Stel­len im Fach Archäo­lo­gie. Dies gilt beson­ders für Uni­ver­si­tä­ten und For­schungs­ein­rich­tun­gen, aber auch für Boden­denk­mal­äm­ter. Nur in Muse­en scheint sich lang­sam eine Trend­wen­de abzu­zeich­nen. Beson­ders in der öffent­li­chen Wahr­neh­mung wird Archäo­lo­gie mit Män­nern asso­zi­iert: Publi­kums­wirk­sa­me Fil­me in Kino und Fern­se­hen, Video­spie­le und popu­lär­wis­sen­schaft­li­che Bücher ver­mit­teln einen Ein­druck archäo­lo­gi­scher Arbeit, die sich haupt­säch­lich auf Aus­gra­bun­gen abspielt, wo mehr­heit­lich Archäo­lo­gen agie­ren. Ein Mit­tel, die­ses Bild zu kor­ri­gie­ren, ist, die Pio­nie­rin­nen des Fachs, die his­to­ri­schen Archäo­lo­gin­nen, zu wür­di­gen.

Als ein Bei­spiel für vie­le soll die Aus­grä­be­rin von Gour­nia auf Kre­ta, Har­riet Boyd Hawes, vor­ge­stellt wer­den.

 

Har­riet Boyd wur­de 1871 in Bos­ton gebo­ren. Im Muse­um für Alte Kunst in Bos­ton, wo es eine der bes­ten Abguss­samm­lun­gen von grie­chi­schen und römi­schen Skulp­tu­ren in den USA gab, wur­de ihr Inter­es­se für alles Grie­chi­sche geweckt. Sie stu­dier­te Alte Spra­chen, beson­ders Grie­chisch, am Smith Col­lege in Nort­hamp­ton, Mas­sa­chu­setts. Nach Abschluss des Col­leges arbei­te­te Har­riet Boyd als Leh­re­rin. Um sich wei­ter zu qua­li­fi­zie­ren, beschloss sie, in Euro­pa Clas­si­cal Stu­dies (ent­spricht in etwa der Alt­phi­lo­lo­gie im deutsch­spra­chi­gen Raum) zu stu­die­ren. 1896 schrieb sie sich in der Ame­ri­can School of Clas­si­cal Stu­dies in Athen als Stu­den­tin ein. Das Aus­bil­dungs­prin­zip der Ame­ri­can School bestand dar­in, Vor­le­sun­gen mit mehr­tä­gi­gen Exkur­sio­nen zu ver­bin­den. Von die­sen Exkur­sio­nen wur­den Frau­en manch­mal aus­ge­schlos­sen, von Aus­gra­bun­gen immer. Im ers­ten Stu­di­en­jahr 1896/97 war Har­riet Boyd zusam­men mit einer wei­te­ren Stu­den­tin die ein­zi­ge Frau unter neun Stu­den­ten, im Stu­di­en­jahr 1898/99 waren unter 15 Student*innen vier Frau­en und im Stu­di­en­jahr 1899/1900 gab es acht Frau­en unter 15 Student*innen.

Auf mehr­tä­gi­gen Exkur­sio­nen such­te Har­riet Boyd nach einem geeig­ne­ten Ort, wo sie eine Aus­gra­bung eröff­nen und Mate­ri­al für ihre Abschluss­ar­beit sam­meln könn­te. Der Direk­tor der Ame­ri­can School hat­te aber das Vor­ur­teil, dass Frau­en für Aus­gra­bun­gen nicht geeig­net sei­en, wes­halb Har­riet Boyd gezwun­gen war, auf eige­ne Kos­ten eine Aus­gra­bung durch­zu­füh­ren. Ihre Wahl fiel schließ­lich auf Kavou­si in Kre­ta. 1900 gab es zwei Gra­bungs­kam­pa­gnen, bei der Har­riet Boyd Män­ner aus dem Dorf als Gra­bungs­hel­fer ein­stell­te. 1901 erhielt sie vom Smith Col­lege ihren Mas­ter­ti­tel für eine Arbeit über die eisen­zeit­li­chen Plät­ze in der Nähe des Dor­fes Kavou­si.

1901 woll­te Har­riet Boyd erneut auf Aus­gra­bung gehen. Wie­der­um auf Kre­ta such­te sie nach einem geeig­ne­ten Ort. Sie begann mit Aus­gra­bun­gen auf einem Hügel in der Nähe der Gour­nia-Bucht. Gour­nia erwies sich als eine minoi­sche Hand­wer­ker­sied­lung aus der Bron­ze­zeit, die heu­te als eine der wich­tigs­ten Fund­stät­ten im ägäi­schen Raum gilt. 1903 und 1904 erfolg­ten zwei wei­te­re Aus­gra­bungs­kam­pa­gnen. Zeit­wei­lig waren etwa 100 ein­hei­mi­sche Män­ner und elf ein­hei­mi­sche Frau­en als Grabungshelfer*innen von Har­riet Boyd ange­stellt. Ihr wis­sen­schaft­li­ches Gra­bungs­team bestand bis auf einen Mann aus Frau­en. Mit­hil­fe der Unter­su­chung wei­te­rer Fund­plät­ze gelang es Har­riet Boyd, eine Chro­no­lo­gie des bron­ze­zeit­li­chen Kre­ta auf­zu­stel­len. Arthur Evans, der Aus­grä­ber von Knos­sos auf Kre­ta seit dem Jahr 1900, kam ihr aller­dings zuvor, sei­ne eige­ne Chro­no­lo­gie des Gebiets auf einem Kon­gress vor­zu­stel­len, womit er als der Ers­te in die Geschich­te ein­ging, eine Chro­no­lo­gie die­ses Gebie­tes und die­ser Zeit der Öffent­lich­keit prä­sen­tiert zu haben.

Mit ihrer Hei­rat 1906 mit dem bri­ti­schen Anthro­po­lo­gen Charles Hawes und der Geburt von zwei Kin­dern gab sie ihre Kar­rie­re als Col­lege­leh­re­rin und Feld­ar­chäo­lo­gin auf. Aller­dings berei­te­te sie die Publi­ka­ti­on ihrer Aus­gra­bun­gen in Gour­nia vor, die 1908 erschien und als Mei­len­stein in der Prä­sen­ta­ti­on von archäo­lo­gi­schen Fun­den gilt.

1910 ver­lieh das Smith Col­lege Har­riet Boyd Hawes die Ehren­dok­tor­wür­de. Von 1920 bis 1936 unter­rich­te­te sie am Wel­les­ley Col­lege, Mas­sa­chu­setts, Alte Kunst vom Paläo­li­thi­kum bis zum frü­hen Chris­ten­tum. 1945 ist sie in Washing­ton D.C. gestor­ben.

Die Beschäf­ti­gung mit den Pio­nie­rin­nen der Dis­zi­plin Archäo­lo­gie kor­ri­giert nicht nur das Bild vom männ­li­chen Archäo­lo­gen, es lenkt auch den Blick auf die Inhal­te des Fachs und die kri­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit die­sen unter einer femi­nis­ti­schen Per­spek­ti­ve. Beson­ders mit der Zwei­ten Frau­en­be­we­gung ab den 1970er Jah­ren hat sich eine neue Sicht auf Wis­sen­schaft gebil­det, die sich mit Frau­en und ihren Erfah­run­gen und Lebens­wei­sen als Unter­su­chungs­ge­gen­stand beschäf­tigt. Vie­ler­orts wur­den andro­zen­tri­sche Ver­zer­run­gen auf­ge­deckt und alter­na­ti­ve Model­le ent­wor­fen, so auch in der Archäo­lo­gie, wo die archäo­lo­gi­sche Geschlech­ter­for­schung heu­te als ernst zu neh­men­de For­schungs­rich­tung gilt.

 

 

Die Aus­füh­run­gen zu Har­riet Boyd Hawes beru­hen auf dem Arti­kel:

Ulri­ke Ram­bu­scheck, Har­riet Ann Boyd Hawes und die Ent­de­ckung des minoi­schen Kre­ta. In: Jana Esther Fries/Doris Guts­miedl-Schüm­ann (Hrsg.), Aus­grä­be­rin­nen, For­sche­rin­nen, Pio­nie­rin­nen. Aus­ge­wähl­te Por­träts frü­her Archäo­lo­gin­nen im Kon­text ihrer Zeit. Frau­en – For­schung – Archäo­lo­gie 10 (Müns­ter 2013) 81–93.

 

Die Publi­ka­ti­on über Gour­nia lau­tet:

Har­riet A. Boyd Hawes/Blanche E. Williams/Richard B. Seager/Edith H. Hall, Gour­nia, Vasi­li­ki and Other Pre­his­to­ric Sites on the Isth­mus of Hie­ra­pe­tra (Phil­adel­phia 1908).

 

Lite­ra­tur zur archäo­lo­gi­schen Geschlech­ter­for­schung gibt es auf: https://femarc.de/blog/263-grundlagenliteratur.html

 

Die­ser Bei­trag nimmt an der Blog­pa­ra­de #fema­le­he­ri­ta­ge der Mona­cen­sia teil: https://blog.muenchner-stadtbibliothek.de/frauen-und-erinnerungskultur-blogparade-femaleheritage/

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Wie wir wurden, was wir sind – kleine Beitragsreihe zur Geschichte des Netzwerkes und der Geschlechterarchäologie

Autorin­nen: Jana Fries, Kers­tin Kowa­rik, Cla­ra Schal­ler und Susan­ne Moraw, Datum: 03.11.2020

 

Unser Netz­werk Fem­Arc wird nächs­tes Jahr drei­ßig Jah­re alt. In die­sen drei Jahr­zehn­ten hat sich viel in der (deutsch­spra­chi­gen) Archäo­lo­gie ver­än­dert und auch wir haben uns ent­wi­ckelt. Des­halb soll nächs­tes Jahr nicht nur zurück­ge­schaut und gefei­ert wer­den – das natür­lich auch. Wir wol­len dane­ben auch erneut grund­sätz­lich die Situa­ti­on von Geschlech­ter­the­men inner­halb der Archäo­lo­gie betrach­ten, unse­re Hal­tung, Über­zeu­gun­gen und Metho­den als Netz­werk reflek­tie­ren, unse­re Zie­le betrach­ten und, wo sinn­voll, ver­än­dern und ergän­zen. Wei­ter sol­len unse­re Struk­tu­ren, Kom­mu­ni­ka­ti­ons­we­ge und unser Wir­ken nach außen unter die Lupe genom­men wer­den.

Das ist eine umfang­rei­che Auf­ga­be, die nicht an einem Ter­min zu schaf­fen ist, son­dern einen län­ge­ren Pro­zess vor­aus­setzt. Wich­tig dabei wird unser für den Juni geplan­tes Tref­fen in Nürn­berg sein und wir hof­fen sehr, dass es wie vor­ge­se­hen statt­fin­den kann. Damit wir dort erfolg­reich sein kön­nen, ist sinn­voll, schon jetzt The­men zu benen­nen und uns die eige­nen Stand­punk­te bewusst zu machen.

Hilf­reich ist in sol­chen Zusam­men­hän­ge immer auch der Blick in die Ver­gan­gen­heit. Die Blog-Redak­ti­on möch­te des­halb eine klei­ne Rei­he von Bei­trä­gen zur Geschich­te und Ent­wick­lung unse­rer The­men und unse­rer Orga­ni­sa­ti­on ansto­ßen, mög­lichst mit Bli­cken von innen und außen.

Den Anfang macht Susan­ne Moraw mit einem Bericht über die Grün­dung. Vor­schlä­ge für wei­te­re The­men sind herz­lich will­kom­men.

Jana Fries, Kers­tin Kowa­rik und Cla­ra Schal­ler

 

Zur Grün­dung von Fem­Arc. Netz­werk archäo­lo­gisch arbei­ten­der Frau­en

Fem­Arc – oder wie es damals noch hieß: Netz­werk archäo­lo­gisch arbei­ten­der Frau­en – hat zwei Wur­zeln: Femi­nis­mus und Uni­ver­si­tät. Im Win­ter­se­mes­ter 1988/89 kam es auf­grund von schlech­ten Stu­di­en­be­din­gun­gen und Man­gel an stu­den­ti­scher Mit­be­stim­mung an vie­len west­deut­schen Hoch­schu­len zum UNi­MUT-Streik. Damit ver­bun­den waren zum Bei­spiel die Beset­zung von Insti­tu­ten durch Stu­die­ren­de, die Her­aus­ga­be von Streik­zeit­schrif­ten wie die Ber­li­ner Besetzt(<http://unimut.blogsport.de>) oder die Hei­del­ber­ger UNi­MUT (<https://www.uni-heidelberg.de/unimut/wir.html>) und die Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on von Lehr­ver­an­stal­tun­gen in so genann­ten auto­no­men Semi­na­ren. Zu den Merk­ma­len des UNi­MUT-Streiks gehör­ten wei­ter­hin eine star­ke weib­li­che Prä­senz und ein gewis­ses femi­nis­ti­sches Bewusst­sein.

All das hat­te Aus­wir­kun­gen auch auf die archäo­lo­gi­schen Fächer, vor allem auf die Ur- und Früh­ge­schich­te: An der Uni­ver­si­tät Tübin­gen ver­an­stal­te­ten zwei Stu­den­tin­nen ein Auto­no­mes Semi­nar zur femi­nis­ti­schen Geschichts­wis­sen­schaft; an der Uni­ver­si­tät Kiel grün­de­ten Stu­den­tin­nen eine Frau­en-AG. In bei­den Fäl­len ging es zunächst ein­mal dar­um, Grund­la­gen­li­te­ra­tur zur femi­nis­ti­schen Theo­rie und zur archäo­lo­gi­schen Frau­en- und Geschlech­ter­for­schung zu rezi­pie­ren und zu dis­ku­tie­ren. Ein wei­te­rer Schritt war, das Feh­len ent­spre­chen­der Fra­ge­stel­lun­gen in der Main­stream-Lite­ra­tur des Fachs zu kon­sta­tie­ren – ganz zu schwei­gen von feh­len­der Refle­xi­on über die Struk­tu­ren und geschlech­ter­spe­zi­fi­schen Macht­ver­hält­nis­se der wis­sen­schaft­li­chen Dis­zi­plin Ur- und Früh­ge­schich­te.

Um die­se Aspek­te in einem grö­ße­ren Rah­men zu dis­ku­tie­ren, wur­de im Janu­ar 1991 an der Uni­ver­si­tät Tübin­gen das Sym­po­si­on Femi­nis­mus & Archäo­lo­gie?! orga­ni­siert und noch im sel­ben Jahr im Selbst­ver­lag publi­ziert (<https://www.femarc.de/femarcedition/buecher/113-tuebingen.html>). Das Tübin­ger Sym­po­si­on war die Grün­dungs­ver­an­stal­tung von Fem­Arc. In der Abschluss­dis­kus­si­on wur­de von den Teil­neh­me­rin­nen der Beschluss zur Grün­dung eines Netz­werks archäo­lo­gisch arbei­ten­der Frau­en gefasst.

Als Zie­le und Auf­ga­ben wur­den damals defi­niert: die Anla­ge einer Adress­lis­te aller an Ver­net­zung inter­es­sier­ter Frau­en; die Anla­ge einer Lite­ra­tur­da­tei mit ein­schlä­gi­gen Wer­ken; die Ein­rich­tung eines Infor­ma­ti­ons­blatts ver­gleich­bar den damals gän­gi­gen Streik­zeit­schrif­ten; die Schaf­fung eines wis­sen­schaft­li­chen Dis­kus­si­ons­raums für Frau­en; die För­de­rung von dar­aus ent­stan­de­nen Publi­ka­tio­nen; das Zusam­men­füh­ren von uni­ver­si­tä­rer und außer­uni­ver­si­tä­rer femi­nis­ti­scher archäo­lo­gi­scher For­schung; und schließ­lich die Ent­ta­bui­sie­rung und Imple­men­tie­rung femi­nis­ti­scher archäo­lo­gi­scher For­schung an den Uni­ver­si­tä­ten. Die meis­ten der hier gesteck­ten Zie­le konn­ten im Ver­lauf der fol­gen­den Jah­re umge­setzt wer­den. Das wäre das The­ma für einen ande­ren Blog.

Susan­ne Moraw

Der Text ist ein Aus­zug aus dem Auf­satz Fem­Arc. Netz­werk archäo­lo­gisch arbei­ten­der Frau­en e.V. – die ers­ten 25 Jah­re, der dem­nächst im Tagungs­band zur Tagung zum 25-jäh­rin­gen Bestehen von Fem­Arc – Netz­werk archäo­lo­gisch arbei­ten­der Frau­en e.V. erschei­nen wird.

 

 

 

 

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Mein FemArc-Moment

Mein FemArc-Moment

Mein FemArc-Moment – wie hat das bei mir eigentlich alles angefangen?

Autorin: Jana Fries, Datum: 02.10.2020

 Unser Netz­werk Fem­Arc hat inzwi­schen eine bald drei­ßig­jäh­ri­ge Geschich­te. Und jede von uns hat eine kur­ze oder lan­ge Geschich­te der Beschäf­ti­gung mit der Geschlech­ter­ar­chäo­lo­gie und/oder femi­nis­tisch-archäo­lo­gi­schen The­men. Die kom­men bei unse­rem Aus­tausch manch­mal zur Spra­che, manch­mal wis­sen wir aber auch nur wenig, was ande­re im Netz­werk bewo­gen hat, hier mit­zu­ma­chen und was sie dabei erlebt haben. Zum Teil gibt es hoch­span­nen­de Erleb­nis­se, wie Frau­en zur Geschlech­ter­ar­chäo­lo­gie gekom­men sind und was sie auf ihrem Berufs­weg bedeu­tet.

Unse­re jewei­li­gen Geschich­ten mit dem The­ma soll­te unter ande­rem Gegen­stand sein bei unse­rem für Anfang Okto­ber geplan­ten Tref­fen zur Stand­ort­be­stim­mung. Wie so vie­le Ver­an­stal­tun­gen, die für den Aus­tausch wich­tig sind, muss­te es wegen Covid ver­scho­ben wer­den.

Bei der Vor­be­rei­tung des Tref­fens kamen bei mir Erin­ne­run­gen an frü­he Fem­Arc-Zei­ten auf und der Wunsch, die per­sön­li­chen Anfän­ge zu sam­meln, die einen Ein­stieg in die Stand­ort­be­stim­mung erleich­tern kön­nen. Ich habe des­halb über die Mai­ling­list der Fem­Arc die Fra­ge gepos­tet, was unse­re Mit­frau­en dazu gebracht hat, sich mit den The­men des Netz­wer­kes zu befas­sen. Gab es dafür ent­schei­den­de Momen­te, ein­zel­ne Begeg­nun­gen, Auf­sät­ze oder Aus­stel­lun­gen? Wie kam es, dass sie bei Fem­Arc ein­ge­stie­gen sind oder sich für Geschlech­ter­the­men stark gemacht haben? Oder war es eher eine all­mäh­li­che Ent­wick­lung?

Für die­se klei­ne Umfra­ge habe ich eben­falls Flin­ga in Form eines White­boards genutzt.

So sah das Ergeb­nis aus: 

Zur besseren Lesbarkeit hier die Beiträge nochmals:

Ich habe erst spät stu­diert und mich schon lan­ge vor­her in der Frau­en­be­we­gung enga­giert. Fried­rich Engels Text „Vom Ursprung der Fami­lie, des Pri­vat­ei­gen­tums und des Staa­tes“ weck­te in mir den Wunsch, der Fra­ge nach dem Ursprung des Patri­ar­chats wis­sen­schaft­lich auf den Grund zu gehen und Ur- und Früh­ge­schich­te zu stu­die­ren. Vom Netz­werk archäo­lo­gisch arbei­ten­der Frau­en hat­te ich gele­sen. Das war mein Ding! Ich habe an einer Fach­schafts­ta­gung teil­ge­nom­men und bin seit­her dabei, mal mehr, mal weni­ger aktiv. Zu mei­ner Fra­ge­stel­lung, woher kommt das Patri­ar­chat, habe ich gelernt, dass es zwar ein­fa­che Fra­gen gibt, aber kei­ne ein­fa­chen Ant­wor­ten. Fem­Arc steht für mich dafür, wis­sen­schaft­li­che Ant­wor­ten zu fin­den.

Zu Schul­zei­ten gab es nach Ansicht eini­ger Lehrer*innen zwei Grün­de, wes­halb ich auf dem Gym­na­si­um falsch war: Mein Geschlecht („Mäd­chen brau­chen kein Abitur, die wer­den eh nur Haus­frau und Mut­ter“) und das Bil­dungs­ni­veau mei­ner Eltern, die kei­ne höhe­re Schu­le besucht haben („Arbei­ter­kin­der gehö­ren nicht aufs Gym­na­si­um“). Als ich das Stu­di­um begon­nen habe, habe ich mei­ne sozia­le Her­kunft für mich behal­ten; mein Geschlecht jedoch war offen­sicht­lich. Da ich schon aus der Schul­zeit wuss­te, dass ich es als Frau schwe­rer haben wür­de, habe ich mir gezielt Unter­stüt­zung gesucht. So bin ich im Stu­di­um zu Fem­Arc gekom­men, und geblie­ben.

Auch in den 2010er Jah­ren war das The­ma Femi­nis­mus und Gen­der-Archäo­lo­gie lei­der nicht auf der Tages­ord­nung des Stu­di­ums. Auf der Suche nach gleich­ge­sinn­ten Frau­en, die sich der rea­len Pro­ble­ma­tik bewusst sind und es nicht als läs­tig abtun, bin ich auf die Fem­Arc gesto­ßen, da man bei die­ser The­ma­tik schnell allei­ne dasteht und als Que­ru­lan­tin abge­tan wird.

Auf­ge­wach­sen in einer beschüt­zen­den Kir­chen­ge­mein­de, hat­te ich mein Aha-Erleb­nis, als mir klar war, dass ich mich nicht abhän­gig machen kann vom Wohl­wol­len eines älte­ren Profs, der Dank­bar­keit erwar­tet. Das war noch nicht in der Archäo­lo­gie, aber der Wech­sel war dann auch fäl­lig, und ich freue mich, dass es Fem­Arc gibt.

Eine Fach­schafts­ta­gung vor vie­len Jah­ren: Ein Work­shop bringt Femi­nis­mus und Archäo­lo­gie zusam­men und mich in Kon­takt mit Kol­le­gin­nen, die da schon mehr wis­sen. Plötz­lich rut­schen eini­ge Din­ge in der Vor­ge­schich­te an den rich­ti­gen Platz. Es war groß­ar­tig, die Archäo­lo­gie von da an gemein­sam mit ande­ren Augen zu sehen. Ich blieb in Kon­takt und es war für mich sehr klar, dass ich mich hier ein­brin­gen muss.

Ich glau­be, ich war bei dem glei­chen Work­shop, war mein ers­tes Semes­ter, glau­be ich. Danach habe ich Fem­Arc im Blick behal­ten und bin irgend­wann bei­getre­ten, als ich mich „groß genug“ gefühlt habe.

Ein NETZ­werk bie­tet Halt und fängt auf. Ein NETZ­werk fängt aber auch ein, und hält zurück. Im Lau­fe der Jah­re habe ich Fem­Arc als NETZ­werk in bei­der­lei Hin­sicht erlebt.

Auf­ge­wach­sen in einer Zeit, in der „Femi­nis­mus“ kaum laut aus­ge­spro­chen wur­de, war die Uni eine Offen­ba­rung. Hier traf ich auf Frau­en mit ähn­li­chen Erfah­run­gen und glei­cher For­schungs- und Dis­kus­si­ons­lust. Eine Netz­werks­grün­dung schien damals eine selbst­ver­ständ­li­che Not­wen­dig­keit.

Ich habe wäh­rend mei­nes Stu­di­ums in den 1990er Jah­ren eigent­lich kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung erlebt; damals war „Femi­nis­tin“ ein Schimpf­wort. Dass wir nach wie vor nicht von Gleich­be­rech­ti­gung spre­chen kön­nen, habe ich erst spä­ter mit­be­kom­men, aller­dings nie am eige­nen Leib. Zu Fem­Arc bin ich über die Edi­ti­on gekom­men.

Ich lieb­äug­le schon sehr lan­ge mit der Fem­Arc. Aller­dings ist mein femi­nis­ti­sches Ver­ständ­nis que­er­fe­mi­nis­tisch geprägt und somit hat­te und habe ich etwas Schwie­rig­kei­ten mit der Sat­zung (Stich­wort: Voll­frau). Ver­gan­ge­nes Jahr wur­de mir aller­dings berich­tet, dass die Fem­Arc bereit ist noch­mal neu über z.B. die­sen Punkt zu dis­ku­tie­ren. Daher bin ich nun ger­ne dabei.

Das White­board ist übri­gens wei­ter­hin unter https://flinga.fi/s/FLTCYK2 erreich­bar und darf ger­ne ergänzt wer­den.

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