Das Netzwerk gratuliert: Katja Winger

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Autorin: Fem­Arc-Redak­ti­on, Datum: 05.05.2021

                                       

Das Netz­werk gra­tu­liert der Mit­frau Dr. Kat­ja Win­ger, die am 1. April 2021 ihre neue Stel­le als Lei­te­rin der Hein­rich-Schli­e­mann-Gedenk­stät­te in Neu­bu­kow ange­tre­ten hat. Nach einem Stu­di­um der Klas­si­schen Archäo­lo­gie und der Alten Geschich­te an der Mar­tin-Luther-Uni­ver­si­tät Hal­le-Wit­ten­berg sowie in Jena und Leip­zig pro­mo­vier­te sie 2012 an der Goe­the-Uni­ver­si­tät Frank­furt am Main in der Vor- und Früh­ge­schich­te über das The­ma „Die Aus­wer­tung der Aus­gra­bun­gen auf der Süd­um­ge­hung im Oppi­dum von Man­ching“.

Bis­her hat sie unter ande­rem für die Römisch-Ger­ma­ni­sche-Kom­mis­si­on, den Exzel­lenz­clus­ter TOPOI, das Deut­sche Archäo­lo­gi­sche Insti­tut, das Insti­tut für Prä­his­to­ri­sche Archäo­lo­gie der Frei­en Uni­ver­si­tät Ber­lin und das Hein­rich Schli­e­mann-Insti­tut der Uni­ver­si­tät Ros­tock gear­bei­tet. Zuletzt war sie über das Baye­ri­sche Lan­des­amt für Denk­mal­pfle­ge als wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­te­rin bei der Gra­bungs­fir­ma Anzen­ber­ger und Leicht für die Aus­wer­tung einer Gra­bung tätig.

Sie über­nimmt die Nach­fol­ge von Sabi­ne Tonn. Bei ihrer neu­en Auf­ga­be wünscht Fem­Arc Kat­ja Win­ger viel Erfolg.

Zei­tungs­ar­ti­kel: https://www.ostsee-zeitung.de/Mecklenburg/Bad-Doberan/Jetzt-wird-auch-ueber-Troja-Entdecker-getwittert

 

 

 

 

 

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Nachruf Privatdozentin Dr. Linda R. Owen

Nachruf Privatdozentin Dr. Linda R. Owen

Nachruf Privatdozentin Dr. Linda R. Owen, 31.1.1952 – 26.2.2021

Autorin­nen: Gise­la Schul­te-Dorn­berg und Sibyl­le Käst­ner, Datum: 23.04.2021

 

Portrait of Linda R. Owen, private

Am 26.2.2021 ist Lin­da R. Owen an Covid-19 ver­stor­ben. Wir sind bestürzt und trau­rig über ihren Tod und füh­len mit ihrer Fami­lie.

Lin­da R. Owen war dem Netz­werk archäo­lo­gisch arbei­ten­der Frau­en (heu­te Fem­Arc) von Beginn an ver­bun­den. Sie hat in den Büchern des Netz­werks publi­ziert, Vor­trä­ge auf Tagun­gen gehal­ten und für den Rund­brief geschrie­ben. Sie war mit Frau­en des Netz­werks in Kon­takt und war immer wie­der eine groß­ar­ti­ge Bera­te­rin und ein Vor­bild in fach­li­chen Fra­gen.

Lin­da R. Owens aka­de­mi­scher Wer­de­gang begann in den USA, wo sie einen Bache­lor in Anthro­po­lo­gy an der Sta­te Uni­ver­si­ty of New York in Buf­fa­lo mach­te. Sie sie­del­te anschlie­ßend nach Deutsch­land über. Dort setz­te sie ihre aka­de­mi­sche Lauf­bahn am Insti­tut für Ur- und Früh­ge­schich­te der Eber­hard Karls Uni­ver­si­tät Tübin­gen fort, wo sie auch pro­mo­vier­te und sich im Jahr 2004 habi­li­tier­te. Als Pri­vat­do­zen­tin führ­te sie zahl­rei­che Semi­na­re und Pro­jek­te vor allem am Tübin­ger Insti­tut für Ur- und Früh­ge­schich­te durch. Von 2009 bis 2010 ver­trat sie den Lehr­stuhl für Ur- und Früh­ge­schich­te an der Fried­rich-Alex­an­der Uni­ver­si­tät Erlan­gen-Nürn­berg.

Spe­zi­ell mit dem Jung­pa­läo­li­thi­kum in Euro­pa wie auch dem Paläo­li­thi­kum in Nord­ame­ri­ka hat sie sich über Jahr­zehn­te befasst. Ihre Annä­he­rung an die­se Zei­ten war eine beson­de­re: Sie stell­te Res­sour­cen in den Mit­tel­punkt ihrer Ana­ly­sen, die in der For­schung sonst meist wenig Beach­tung fin­den. Das Spek­trum ihrer The­men umfass­te Gebrauchs­spu­ren­ana­ly­se an Arte­fak­ten, Fisch­fang, die Nut­zung von Pflan­zen und Klein­wild im Jung­pa­läo­li­thi­kum und führ­te zu Unter­su­chun­gen zur Arbeits­tei­lung und Geschlech­ter­rol­len im Jung­pa­läo­li­thi­kum, der Rol­le von Kin­dern bis hin zur Situa­ti­on von Archäo­lo­gin­nen heu­te. Lin­da R. Owens Habi­li­ta­ti­ons­schrift, die 2005 unter dem Titel Dis­tort­ing the Past: Gen­der and the Divi­si­on of Labor in the Euro­pean Upper Paleo­li­thic erschien, war ihrer Zeit deut­lich vor­aus. Sie ist auch jetzt, 16 Jah­re spä­ter, als aktu­el­ler Bei­trag zum The­ma Sub­sis­tenz im Paläo­li­thi­kum anzu­se­hen. Ihre Annä­he­rung an die The­men war behut­sam und gründ­lich und zeich­ne­te sich durch extrem gute Recher­chen aus.

Lin­da R. Owens Metho­de war die eth­no­ar­chäo­lo­gi­sche Ana­ly­se. Auf Grund­la­ge des archäo­lo­gi­schen Mate­ri­als und enor­mer und tief­grei­fen­der Kennt­nis der eth­no­his­to­ri­schen und eth­no­lo­gi­schen Fach­li­te­ra­tur Nord­ame­ri­kas konn­te sie durch Ver­glei­che und Ana­lo­gien neue Erkennt­nis­se über das Leben von JägerInnen/SammlerInnen im Jung­pa­läo­li­thi­kum Süd­west­deutsch­lands gewin­nen. Dabei arbei­te­te sie auch expe­ri­men­tell und prak­tisch und ver­such­te damit, die Funk­ti­on von Werk­zeu­gen nach­zu­voll­zie­hen. Sie stell­te zum Bei­spiel Nadeln aus Kno­chen und Geweih her, expe­ri­men­tier­te mit Grab­werk­zeu­gen, fisch­te und war sel­ber Jäge­rin.

Dar­über hin­aus erstell­te Lin­da R. Owen drei mehr­spra­chi­ge archäo­lo­gi­sche Wör­ter­bü­cher, die eine wert­vol­le Res­sour­ce für die archäo­lo­gi­sche Fach­welt sind. Über­set­zun­gen archäo­lo­gi­scher Fach­tex­te und Rezen­sio­nen ergän­zen die­ses wei­te Spek­trum ihrer Tätig­kei­ten.

In den letz­ten Jah­ren ihrer For­schungs­tä­tig­keit galt ihr beson­de­res Inter­es­se der Rol­le von Kin­dern in Jäge­rIn­nen/­Samm­le­rIn­nen-Gemein­schaf­ten. Gemein­sam mit Stu­die­ren­den der Uni­ver­si­tät Erlan­gen ent­wi­ckel­te sie eine Wan­der­aus­stel­lung „Stein­zeit­kin­der – Klei­ne Jäger und Samm­ler“, die an ver­schie­de­nen Sta­tio­nen gezeigt wur­de.

Für die archäo­lo­gi­sche Geschlech­ter­for­schung spe­zi­ell im Jung­pa­läo­li­thi­kum hat­te Lin­da R. Owen eine weg­wei­sen­de Rol­le. Sie kann zu Recht als Pio­nie­rin auf dem Gebiet bezeich­net wer­den. Wir haben viel von ihr gelernt. Ihr Tod ist ein uner­mess­li­cher Ver­lust, sowohl mensch­lich als auch für die archäo­lo­gi­sche Geschlech­ter­for­schung.

Portrait Linda R. Owen

Lin­da Owen auf einer Tagung in Tübin­gen 1994.

 

Im April 2021

Gise­la Schul­te-Dorn­berg, Köln

Sibyl­le Käst­ner, Maas­tricht

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Pioneers on feminism, gender and equality issues in Scandinavian archaeology

Wie wir wurden, was wir sind – kleine Beitragsreihe zur Geschichte des Netzwerkes und der Geschlechterarchäologie, Teil II:
Pioneers on feminism, gender and equality issues in Scandinavian archaeology

Autorin: Tove Hjørung­dal, Datum: 21.02.2021

 

This is a brief over­view of ear­ly works on femi­nism and gen­der in Scan­di­na­vi­an archaeo­lo­gy, initia­ted in the midd­le 1970s. Howe­ver, it is neces­sa­ry first to take a brief look back as Swe­den has some­thing like a tra­di­ti­on from the 19thcen­tu­ry. This is that archaeo­lo­gists Oscar Mon­te­li­us and Hans Hil­de­brand in the late 1800s, and later on Han­nah Rydh, were acti­ve in the suf­fra­gist move­ment as well as they wro­te on women in pre­histo­ry. While Nor­way intro­du­ced women’s right to vote alre­a­dy in 1913, Swe­den fol­lo­wed in 1921, two years after Rydh as the first woman, defen­ded her PhD in archaeo­lo­gy. Sin­ce, the­re have been a rela­tively high num­ber of women in Scan­di­na­vi­an archaeo­lo­gy.

Despi­te the renow­ned foun­ders and pro­fes­sio­nal fema­le archaeo­lo­gists, the­re was a gap until the 1970s, with the New Femi­nist move­ment, or The Second Wave. The first works were popu­lar artic­les, one by Nor­we­gi­an Jen­ny Rita Næss (1974) on Viking age women, and one by Swe­dish Ber­ta Stjern­quist (1975) on women’s social posi­ti­on in pre­histo­ry. In the years to fol­low, a few ana­ly­ti­cal works appeared, on a very rare occa­si­on, even one artic­le on Danish con­di­ti­ons. Fol­lo­wers were few until Eli­sa­beth Arwill Nord­bladh in Gothen­burg picked up the thread and star­ted to publish in the 1980s.

We have to look to Nor­we­gi­an col­le­agues born in the 1930s and 1940s to find the actu­al estab­lish­ment of femi­nism-infor­med ana­ly­ses and of sug­ges­ti­ons for new approa­ches. Thus, in the midd­le of the 1970s, a group of fema­le col­le­agues from muse­ums, uni­ver­si­ties and other insti­tu­ti­ons gathe­red and arran­ged a work­shop on women in pre­histo­ry. Soon after, the­re was a broa­der work­shop Were they all Men? With fema­le as well as male col­le­agues and aut­hors (Published about 12 years later, name­ly in 1987).

Fresh moti­va­ti­on inci­ted on many when Con­key & Spec­tor published their ground­brea­king paper Archaeo­lo­gy and the stu­dy of gen­der in 1984. The jour­nal KAN (Women in Archaeo­lo­gy in Nor­way), was estab­lished in 1985 and exis­ted for 20 years. With the years, it has been more com­mon to get gen­der infor­med papers published in gene­ral jour­nals and in mixed antho­lo­gies buil­ding e g on con­fe­rence papers/sessions.

Tea­ching gen­der-infor­med archaeo­lo­gy was car­ri­ed out from the end of the 1980s in Scan­di­na­via, and during the 1990s gen­der per­spec­ti­ves were estab­lished in Swe­dish and Nor­we­gi­an uni­ver­si­ties; howe­ver less, if not at all in Den­mark and hard­ly at that time in Fin­land and Ice­land. The­ses on advan­ced level (Magis­ter arti­um) came in Nor­way alre­a­dy in the 1970s, and the first PhDs came in Swe­den in 1991 and in 1998.

Heri­ta­ge was a topic for gen­der infor­med eva­lua­ti­on in Swe­den as well as in Nor­way, prin­ted in the jour­nal KAN and in a jour­nal published by the Swe­dish Anti­qui­ty Board.

Femi­nist cri­ti­cism deve­lo­ped during the 1970s and 1980s, as well as did expl­ana­ti­ons on ide­as and con­cepts in sci­en­ti­fic models and con­s­truc­tions. Theo­ry-con­scious col­le­agues like Eri­cka Engelstad, Liv Hel­ga Dom­mas­nes, and Eli­sa­beth Arwill Nord­bladh dis­c­lo­sed how archaeo­lo­gy was an acti­ve part in a com­mon sci­en­ti­fic, cul­tu­ral and poli­ti­cal uni­ver­se, a tra­di­ti­on that declared women as secon­da­ry. A num­ber of case stu­dies came, con­nec­ting to femi­nist theo­ries and pla­cing pre­his­to­ric women as acti­ve agents in pro­duc­tion, trade, and offi­ci­al respon­si­bi­li­ties. The few pio­nee­ring Scan­di­na­vi­an works within que­er per­spec­ti­ves, were published in the 1990s, but fol­lo­wers are scar­ce. An over­view writ­ten by Ing Marie Back Dani­els­son & Ben­ja­min Alber­ti shows that que­er per­spec­ti­ves as well as inter­sec­tion­al approa­ches are under-explo­red in archaeo­lo­gy at all.

 

Pio­neer works in Eng­lish from Scan­di­na­via on gen­der, femi­nism, que­er per­spec­ti­ves

Ber­tel­sen, Reidar et al. (eds.) 1987: Were they all Men? An Exami­na­ti­on of Sex-Roles in Pre­his­to­ric Socie­ty. AmS Varia 17. Sta­van­ger Muse­um.

Dom­mas­nes, Liv Hel­ga 1982. Late Iron Age in Wes­tern Nor­way. Fema­le Roles and Ranks as dedu­ced from an Ana­ly­sis of Buri­al Cus­toms. Nor­we­gi­an Archaeo­lo­gi­cal Review. Vol, 15/1.

Sol­li, Brit 1999. Odin the que­er? On ergi and shama­nism in Nor­se mytho­lo­gy. In Gustafs­son, A, & Karls­son, H. eds. 1999. Gly­fer och arko­lo­gis­ka rum. En vän­bok till Jarl Nord­bladh. Göte­borg.

 

Tove Hjørung­dal, Gothen­burg Uni­ver­si­ty, Swe­den

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Umfrage „Harassment, Assault, Bullying and Intimidation in Archaeology“

Umfrage „Harassment, Assault, Bullying and Intimidation in Archaeology“

Autorin: Cla­ra Schal­ler, Datum: 14.02.2021

 

Die All­ge­gen­wart von sexu­el­ler Beläs­ti­gung und sexu­el­len Über­grif­fen ist ein The­ma, das spä­tes­tens seit 2017 im öffent­li­chen Bewusst­sein ange­kom­men ist. Auch die Archäo­lo­gie hat lei­der damit zu kämp­fen – sei es im uni­ver­si­tä­ren, im öffent­li­chen oder im unter­neh­me­ri­schen Bereich.

Gera­de in den letz­ten Jah­ren sind dage­gen aber ver­schie­de­ne Initia­ti­ven ent­stan­den und es wur­de bereits über meh­re­re Umfra­gen ver­sucht, das Pro­blem sta­tis­tisch zu erfas­sen. Gro­ße Auf­merk­sam­keit in der euro­päi­schen Archäo­lo­gie erfuhr dabei eine Umfra­ge zu sexu­el­ler Beläs­ti­gung in der Archäo­lo­gie mit Teilnehmer*innen vor allem aus Spa­ni­en, deren Ergeb­nis­se 2018 zusam­men mit einer Pos­ter­ak­ti­on auf der Kon­fe­renz in Bar­ce­lo­na prä­sen­tiert und von María Coto Sar­mi­en­to, Lara Del­ga­do Anés, Lour­des López Mar­tí­nez, Jesús Mar­tín Alon­so, Ana Pas­tor Pérez, Apen Ruíz Mar­tí­nez und María Yube­ro Gómez ver­öf­fent­licht wur­den (https://www.researchgate.net/publication/339181406_Informe_Acoso_sexual_en_Arqueologia_Espana). In Deutsch­land führ­te eine Mit­frau 2019 eine Umfra­ge zum The­ma „Sexu­el­le Beläs­ti­gung in der Feld­ar­chäo­lo­gie“ durch, deren Ergeb­nis­se noch publi­ziert wer­den.

Ein­zel­ne Berich­te von Betrof­fe­nen aus dem fran­zö­sisch­spra­chi­gen Raum wur­den 2019 auch in der Aus­stel­lung „Archéo-Sexis­me“ des Pro­jekts „Paye ta Truel­le“ und der Asso­cia­ti­on Archéo-Éthi­que öffent­lich gemacht (https://www.researchgate.net/publication/337655928_Le_sexisme_en_archeologie_ca_n%27existe_pas).

Nicht zuletzt gaben in der Ses­si­on „Not ano­ther 25 years! Com­bat­ting harass­ment and assault in archaeo­lo­gy“ auf der EAA-Online-Tagung 2020 meh­re­re Bei­trä­ge aus ver­schie­de­nen euro­päi­schen Län­dern und den USA Ein­blick in wei­te­re Unter­su­chungs­er­geb­nis­se sowie Initia­ti­ven zur Unter­stüt­zung Betrof­fe­ner und gegen Über­grif­fe, Beläs­ti­gung und Dis­kri­mi­nie­rung in Stu­di­um und Arbeits­platz.

Das Board der Com­mu­ni­ty „Archaeo­lo­gy and Gen­der in Euro­pe“ der EAA und „Paye ta Truel­le“ füh­ren nun bis zum 28.02.2021 eine Online­um­fra­ge durch. Die­se geht nicht nur auf sexu­el­le Beläs­ti­gung und Über­grif­fe, son­dern auch auf Ras­sis­mus, Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund von sexu­el­ler Ori­en­tie­rung, Geschlecht, Behin­de­rung, Alter und Reli­gi­ons­zu­ge­hö­rig­keit sowie wei­te­re For­men von Beläs­ti­gung, Über­grif­fen, Ein­schüch­te­rung und Mob­bing in der euro­päi­schen Archäo­lo­gie ein.

Der Link zur Teil­nah­me ist: http://bit.ly/3qSwi0H (auf Eng­lisch) oder bit.ly/2YhATxm (auf Fran­zö­sisch).

Sol­che Umfra­gen kön­nen dabei nicht nur den Umfang die­ser Pro­ble­me in Zah­len fas­sen und sie sicht­bar machen, son­dern auch eine Grund­la­ge für die Ent­wick­lung von Stra­te­gien bil­den, mit denen dage­gen vor­ge­gan­gen wer­den kann.

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Fundstück: TV-Beitrag zu Neanderthalern

Fundstück: TV-Beitrag zu Neanderthalern

Autorin: Son­ja Grimm, Datum: 27.01.2021

 

TV-Doku­men­tar­fil­me zur Archäo­lo­gie sind zahl­reich und so ver­geht kaum ein Tag, an dem man nicht etwas zu unse­ren Vor­fah­ren im Pro­gramm fin­det. Neben Wikin­gern, Römern und dem alten Ägyp­ten sind oft auch Vor­men­schen, ins­be­son­de­re Nean­der­tha­ler* The­ma. Der Schwer­punkt wie auch die Qua­li­tät der Infor­ma­tio­nen sind dabei sehr unter­schied­lich.

Der Sen­der Arte zeig­te am 10. Okto­ber 2020 die fran­zö­si­sche Doku­men­ta­ti­on „Der Nean­der­ta­ler – Auf den Spu­ren unse­rer Vor­fah­ren“ (À la ren­cont­re de Néan­der­tal, 2019), die unter ande­rem von dem fran­zö­si­schen Natio­nal­in­sti­tut für prä­ven­ti­ve, archäo­lo­gi­sche For­schung (INRAP) mit­pro­du­ziert wur­de. Die Betei­li­gung spie­gel­te sich in der Aktua­li­tät und Qua­li­tät der Gra­bungs- und For­schungs­er­geb­nis­se durch­aus wider, eben­so wie in der Schwer­punkt­set­zung auf aktu­el­le fran­zö­si­sche und bri­ti­sche Ergeb­nis­se. Eine Zuschaue­rin mach­te Fem­Arc den­noch auf den Bei­trag auf­merk­sam, da sie sich neben einer feh­len­den gen­der­ge­rech­ten Spra­che und einer sehr mas­ku­lin fokus­sier­ten Dar­stel­lung von Nean­der­tha­lern wie auch Archäo­lo­gen über Aus­sa­gen zum Tausch von Frau­en empör­te.

So herrsch­te unter den ange­führ­ten Exper­tin­nen** ein deut­li­ches Miss­ver­hält­nis von zwei Frau­en zu zehn Män­nern. Auch dass Bec­cy Scott vom Bri­tish Muse­um mehr Rede­zeit ein­ge­räumt wur­de als ande­ren, hebt die­se männ­li­che Domi­nanz nicht auf. Zudem wur­de in der deut­schen Syn­chron­fas­sung im Sin­gluar immer von „dem Nean­der­tha­ler“ gespro­chen und bei den plas­ti­schen Rekon­struk­tio­nen wur­den ein­zig die männ­li­chen Dar­stel­lun­gen, nicht aber Frau­en und Kin­der gezeigt, die es sehr wohl gibt. Aller­dings wur­den auch die Bil­der des bekann­ten Rekon­struk­ti­ons­zeich­ners Gil­les Tosel­lo genutzt, die oft gan­ze Fami­li­en zei­gen.

Aber wirk­lich die Spra­che hat es mir (wie schon der Zuschaue­rin) ver­schla­gen, als ein wirk­lich unnö­ti­ges Bei­spiel zum Frau­en­han­del ange­führt wur­de. Der wis­sen­schaft­li­che Hin­ter­grund der Aus­sa­gen ist fol­gen­der: In der nord­spa­ni­schen Fund­stel­le El Sidron wur­den 13, etwa 49.000 Jah­re alte Ske­let­te von Nean­der­tha­le­rin­nen und Nean­der­tha­lern gebor­gen. Unter­su­chun­gen an der über die Mut­ter­li­nie über­tra­ge­nen DNS (mtDNA) von zwölf die­ser Indi­vi­du­en zeig­ten, dass die männ­li­chen Nean­der­tha­ler mit­ein­an­der ver­wandt waren und somit aus einer Fami­lie stamm­ten, die Frau­en dage­gen aus ver­schie­de­nen ande­ren Grup­pen. Dies deu­te­ten die For­sche­rin­nen** um Carles Lalue­za-Fox als Patri­lo­ka­li­tät die­ser Grup­pen oder wie der Kol­le­ge Pas­cal Depae­pe es in der Doku­men­ta­ti­on zunächst sehr nüch­tern for­mu­lier­te: Die Frau­en wech­sel­ten die Grup­pen. Aus der Eth­no­gra­phie und ver­schie­de­nen his­to­ri­schen Wildbeuterinnen**-Gruppen ken­nen wir dazu eben­so Bei­spie­le wie aus unse­rer neu­zeit­li­chen Geschich­te.

Lei­der wur­de die­ser sach­li­chen Beschrei­bung noch die vom Kol­le­gen Ludo­vic Sli­mak for­mu­lier­te, nicht beleg­ba­re Aus­ma­lung der Situa­ti­on hin­zu­ge­stellt, dass man sich das Gan­ze als Frau­en­han­del vor­stel­len kön­ne nach dem Mot­to: „Gibst du mir dei­ne Toch­ter, gebe ich dir mei­ne Schwes­ter.“ Eine sol­che Pro­jek­ti­on sagt mehr über die Vor­stel­lun­gen des fran­zö­si­schen Kol­le­gen und sei­ner Hal­tung zu Frau­en aus als über das Ver­hal­ten des Homo nean­der­tha­len­sis. Bedau­er­li­cher­wei­se fan­den auch die Regis­seu­re es not­wen­dig, eine sol­che männ­li­che Besitz­fan­ta­sie mit unse­ren Vor­fah­ren in Ver­bin­dung zu brin­gen, statt ein­fach die wis­sen­schaft­li­che Aus­sa­ge Depae­pes ste­hen zu las­sen.

Wie Nean­der­tha­ler sozia­le Geschlech­ter kon­stru­ier­ten und die­se wie bio­lo­gi­sche Geschlech­ter bewer­te­ten, kön­nen wir archäo­lo­gisch nicht nach­wei­sen. Ein reflek­tier­tes und breit auf­ge­stell­tes Bild der aktu­el­len For­schung zu die­ser aus­ge­stor­be­nen Men­schen­art, ein­schließ­lich der bis­her bekann­ten Unter­schie­de zwi­schen den bio­lo­gi­schen Geschlech­tern (S. 65–70), kann man in dem lei­der bis­her nur auf Eng­lisch zu erhal­te­nen, popu­lär­wis­sen­schaft­lich geschrie­be­nen Buch „Kind­red. Nean­der­thal life, love, death and art“ von der aus­ge­wie­se­nen Exper­tin Rebec­ca Wragg Sykes erhal­ten.

 

* Der Duden sagt, Nean­der­tha­ler sei nach der neu­en Recht­schrei­bung des Nean­der­tals ohne h zu schrei­ben. Da es sich jedoch um einen wis­sen­schaft­li­chen Namen (Homo nean­der­tha­len­sis, 1864) han­delt, soll­te nach Ansicht vie­ler For­sche­rin­nen** die­ser inter­na­tio­nal aner­kann­ten Bezeich­nung der Men­schen­art Vor­rang gege­ben wer­den. Anders aus­ge­drückt: Nean­der­ta­ler sind moder­ne Men­schen, die im Nean­der­tal bei Mett­mann woh­nen, woge­gen Nean­der­tha­ler Ver­tre­ter einer aus­ge­stor­be­nen Men­schen­art sind, die zeit­wei­se auch im Nean­der­tal leb­ten.

**Gene­ri­sches Femi­ni­num.

 

Lite­ra­tur­zi­ta­te:

Lalue­za-Fox, C., Rosas, A., Est­alrrich, A., Gig­li, E., Cam­pos, P. F., Gar­cía-Taber­ne­ro, A., Gar­cía-Var­gas, S., Sán­chez-Quin­to, F., Ramí­rez, O., Civit, S., Bas­tir, M., Huguet, R., San­ta­ma­ría, D., Gil­bert, M. T. P., Wil­lers­lev, E., de la Ras­il­la, M. (2011). Gene­tic evi­dence for patri­lo­cal mating beha­vi­or among Nean­der­tal groups. Pro­cee­dings of the Natio­nal Aca­de­my of Sci­en­ces (PNAS) 108(1), 250–253.

Wragg Sykes, R. (2020). Kind­red. Nean­der­thal life, love, death and art. Bloomsbu­ry Sig­ma (Lon­don).

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c/o Muse­um Herx­heim
Unte­re Haupt­stra­ße 153
76863 Herx­heim

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Spen­den in jeder Höhe sind wich­tig für unse­re Arbeit und will­kom­men. Ger­ne stel­len wir eine Spen­den­be­schei­ni­gung aus.

Das Netzwerk gratuliert: Katja Winger

Blogparade #femaleheritage

Blogparade #femaleheritage

Autorin: Fem­Arc-Redak­ti­on, Datum: 15.12.2020

 

Auf dem Blog der Münch­ner Stadt­bi­blio­thek wur­de dazu auf­ge­ru­fen, sich mit Bei­trä­gen zu Frau­en und Erin­ne­rungs­kul­tur an der Blog­pa­ra­de #fema­le­he­ri­ta­ge zu betei­li­gen. Vom 11.11. – 09.12.2020 konn­ten Bei­trä­ge ein­ge­reicht wer­den. Neben einem Ein­trag von Fem­Arc (Nr. 20) fin­den sich zwei wei­te­re Arti­kel, die sich mit Archäo­lo­gie und Frau­en beschäf­ti­gen:

Nr. 80 Kros­worl­dia: „#fema­le­he­ri­ta­ge? Frau­en in Archäo­lo­gie und Geschichts­wis­sen­schaft“ (28.11.2020) // @Kristin_Oswald

https://kristinoswald.hypotheses.org/3245

Nr. 138 Staat­li­ches Muse­um Ägyp­ti­scher Kunst: „Satdje­huti“ (8.12.2020) // @smaek_muc

https://smaek.de/news/blogparade-femaleheritage/

Nach dem gro­ßen Erfolg geht die Blog­pa­ra­de in die Ver­län­ge­rung. Alle Bei­trä­ge unter https://blog.muenchner-stadtbibliothek.de/frauen-und-erinnerungskultur-blogparade-femaleheritage/ (etwas run­ter­scrol­len!).

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