Situation archäologisch arbeitender Frauen August 2020

Situation archäologisch arbeitender Frauen August 2020

Situation archäologisch arbeitender Frauen, August 2020

Autorin: Fem­Arc-Redak­ti­on, Datum: 09.09.2020

 

Seit der letz­ten Umfra­ge zur Situa­ti­on archäo­lo­gisch arbei­ten­der Frau­en im Mai 2020 wur­den eini­ge der Maß­nah­men zur Ver­lang­sa­mung der Aus­brei­tung von Covid-19 zurück­ge­nom­men: Die Kon­takt­be­schrän­kun­gen wur­den gelo­ckert, Besu­che in Kran­ken­häu­ern und Pfle­ge­hei­men sind z.T. wie­der mög­lich, und nach den Som­mer­fe­ri­en öff­nen die Schu­len von Bun­des­land zu Bun­des­land nun lang­sam auch wie­der für alle Kin­der und Jugend­li­chen in einem ange­pass­ten Regel­be­trieb.

An den Uni­ver­si­tä­ten wur­de inzwi­schen die prä­senz­freie Vor­le­sungs­zeit des Som­mer­se­mes­ters been­det, und ers­te Ver­an­stal­tun­gen und Prü­fun­gen fin­den dort auch wie­der in Prä­senz statt – mit ent­spre­chen­den Hygie­ne­kon­zep­ten und in Räum­lich­kei­ten, die groß genug sind, um aus­rei­chend Abstand hal­ten zu kön­nen. Der Aus­blick auf das Win­ter­se­mes­ter zeigt jedoch, dass die aka­de­mi­sche Leh­re schon aus prak­ti­schen Grün­den in gro­ßen Tei­len digi­tal blei­ben wird bzw. blei­ben muss. Auch Muse­en sind inzwi­schen wie­der geöff­net; vie­le digi­ta­le Ange­bo­te sind aber auch geblie­ben oder wer­den noch wei­ter aus­ge­baut.

Im Spät­som­mer und Herbst fin­den tra­di­tio­nell eini­ge der gro­ßen archäo­lo­gi­schen Tagun­gen statt. In die­sem Jahr wer­den eini­ge von ihnen erst­mals rein digi­tal bzw. vir­tu­ell abge­hal­ten wer­den. Was bedeu­tet das für archäo­lo­gisch arbei­ten­de Frau­en? Kön­nen nun mehr Archäo­lo­gin­nen an den Tagun­gen teil­neh­men, dort mit­dis­ku­tie­ren, sich ver­net­zen und ins­ge­samt sicht­ba­rer wer­den, da sich eine vir­tu­el­le Tagung, die aus dem „home office“ besucht wer­den kann, ein­fa­cher mit all den ande­ren Ver­pflich­tun­gen des All­tags zu ver­ein­ba­ren ist?

Um die­se Ver­än­de­run­gen und die Aus­wir­kun­gen auf die Mit­frau­en zu doku­men­tie­ren, haben wir über die Fem­Arc-Mai­ling­lis­te dar­um gebe­ten, auf einer vir­tu­el­len Pinn­wand auf Flinga.fi Kom­men­ta­re zur aktu­el­len Situa­ti­on zu hin­ter­las­sen. Ins­ge­samt sind hier 10 Kom­men­ta­re ein­ge­gan­gen: Die­se kön­nen im ver­link­ten Screen­shot auf der Pinn­wand ein­ge­se­hen wer­den. Zur bes­se­ren Les­bar­keit sind die­se im Fol­gen­den aber auch noch ein­mal abge­tippt. Ins­ge­samt zeigt sich in den Ant­wor­ten eine gro­ße Band­brei­te: Wäh­rend sich die Situa­ti­on für eini­ge Mit­frau­en ver­bes­sert hat, kämp­fen ande­re mit einem schlei­chen­den Aus­schei­den aus der Archäo­lo­gie.

 

„Für mich war es toll; ohne­hin arbei­te ich seit Jah­ren online von einem ande­ren Kon­ti­nent aus; und jetzt hat­te ich end­lich Kon­takt zu vie­len und inter­es­san­ten Leu­ten, die auch aufs Inter­net ange­wie­sen waren. Außer­dem habe ich den Zwang, stän­dig Leu­te besu­chen zu müs­sen, über­haupt nicht ver­misst und end­lich ein­mal rich­tig auf­räu­men kön­nen – naja, dazu bräuch­te ich noch ein Jahr …“

„Wegen Coro­na-För­der­mit­tel wur­de mein Halb­tags­ver­trag für ein paar Mona­te auf 100% auf­ge­stockt für ein Digi­taisie­rungs­pro­jekt in einem Muse­um.“

„Die Biblio­the­ken sind wie­der par­ti­ell geöff­net!! mit weni­gen Lese­plät­zen, das bedeu­tet viel scan­nen statt direkt in der Biblio­thek arbei­ten, was zusätz­li­che Arbeit und höhe­ren Stun­den­auf­wand bedeu­tet.“

„Die aka­de­mi­sche Leh­re im digi­ta­len Som­mer­se­mes­ter war in vie­ler­lei Hin­sicht eine Her­aus­for­de­rung; es scheint mir aber, nach Rück­mel­dung der Stu­die­ren­den, gut gelun­gen zu sein. Es ist aber frus­trie­rend, in den Medi­en zu lesen, dass digi­ta­le Leh­re kei­ne rich­ti­ge Leh­re ist und dass das Som­mer­se­mes­ter nur bil­li­ger Ersatz für das wah­re Stu­di­um ist – was immer das genau sein soll. Ich habe bis­lang mit Stu­die­ren­den sel­ten so inten­siv dis­ku­tiert wie in unse­ren Video­kon­fe­ren­zen, wo sich am Ende einer Sit­zung in der Regel alle zu Wort gemel­det hat­ten und nicht nur die weni­gen, immer glei­chen, die im Semi­nar­raum sonst den Ton ange­ben.“

„Im Gegen­satz zu den Prä­senz­ta­gun­gen, für die ich ohne Kin­der anrei­se und eine Betreu­ung arran­gie­re, wird es bei vir­tu­el­len Ver­an­stal­tun­gen schwie­ri­ger, sich zu fokus­sie­ren und län­ge­re Zeit teil­zu­neh­men …“

„Mir fehlt der per­sön­li­che Kon­takt zu Kolleg*innen. Das kann man auch nur bedingt durch Video­te­le­fo­nie aus­glei­chen.“

„Die Kon­tak­te redu­zie­ren sich auf die unmit­tel­ba­ren Kol­le­gin­nen*. Zufäl­li­ge und neue Begeg­nun­gen sind der­zeit nicht mög­lich.“

„Das Berufs­le­ben geht in grö­ße­ren Tei­len wie­der sei­nen nor­ma­len Gang, was eine gro­ße Erleich­te­rung dar­stellt. Die unkom­pli­zier­ten gemein­sa­men Pau­sen mit den Kolleg*innen, die mensch­lich wie für den Aus­tausch wich­tig waren, feh­len aber wei­ter­hin. Die Arbeit mit Frei­wil­li­gen liegt total auf Eis, ob die irgend­wann spä­ter wie­der­kom­men? Bei jeder Dienst­rei­se mit den Öffent­li­chen habe ich ein ungu­tes Gefühl. Zugleich ver­mis­se ich die klei­nen und gro­ßen Tagun­gen, die nun schon seit Mit­te März aus­fal­len. Und Video-Ter­mi­ne füh­len sich für mich wei­ter­hin selt­sam, anstren­gend und unecht an.“

„Nach einem Video-Kon­tak­te-Hype im Früh­jahr redu­zie­ren sich im Som­mer­loch deut­lich wie­der die Anru­fe. Jede arbei­tet iso­liert.“

„Ich habe das Gefühl, dass die letz­ten Mona­te für mich den schlei­chen­den Aus­stieg aus dem Fach bedeu­ten: kei­ne so wich­ti­gen per­sön­li­chen Kon­tak­te, kein Biblio­theks­zu­gang, plötz­li­cher Ver­lust der frei­en Mit­ar­beit am Muse­um. Drei Mona­te Kita-Schlie­ßung / drei Mona­te Voll­zeit Kin­der­be­treu­ung (und das nöti­ge Arbei­ten von 22 Uhr bis 1:30 Uhr). Das bedaue­re ich sehr. Ande­rer­seits: spon­tan neue Auf­trags­zu­sa­gen in ande­rem Bereich und end­lich wie­der Kin­der­be­treu­ung: Licht­bli­cke! Viel­leicht geht es ja doch irgend­wie wei­ter? Nur die Diss … Es ist schwie­rig, nach so lan­ger Pau­se wie­der rein­zu­kom­men.“

Kontakt

c/o Muse­um Herx­heim
Unte­re Haupt­stra­ße 153
76863 Herx­heim

vorstand@femarc.deors
redaktion@femarc.der

Bankverbindung

Fem­Arc e.V., Spar­kas­se Han­no­ver
IBAN: DE36 2505 0180 0910 2955 65
BIC: SPKHDE2HXXX

Spen­den in jeder Höhe sind wich­tig für unse­re Arbeit und will­kom­men. Ger­ne stel­len wir eine Spen­den­be­schei­ni­gung aus.

Linktipp: Website pastwomen.net

Linktipp: Website pastwomen.net

Linktipp: Website pastwomen.net

Autorin: Fem­Arc-Redak­ti­on, Datum: 25.08.2020

 

Hin­ter dem Pro­jekt Pas­t­Wo­men steht ein Team von For­sche­rin­nen vom Insti­tu­to de Inves­ti­ga­ción en Arqueo­lo­gía Ibé­ri­ca de la Uni­ver­si­dad de Jaén, vom Museo de la Diput­a­ción de Valen­cia, vom Museo de Jaén, von der Uni­ver­si­dad Autó­no­ma de Bar­ce­lo­na, der Uni­ver­si­dad de Gra­na­da, der Uni­ver­si­dad Pom­peu Fabra, Uni­ver­si­dad de Valen­cia und der Uni­ver­si­tät Tübin­gen.

Die Web­site des Pro­jekts bie­tet kur­ze, ver­ständ­li­che Tex­te zum Leben von Frau­en und Mäd­chen vom Paläo­li­thi­kum bis ins 1. Jahr­hun­dert vor Chris­tus. Sie beschäf­ti­gen sich mit ihren Akti­vi­tä­ten und den damit zusam­men­hän­gen­den Objek­ten und Fund­plät­zen. Der Fokus liegt dabei auf dem Mit­tel­meer­raum. Dane­ben fin­den sich auch wei­te­re Res­sour­cen wie Lite­ra­tur und Vide­os zu Geschlech­ter­for­schung und femi­nis­ti­scher Archäo­lo­gie sowie Lebens­bil­der, Hin­wei­se auf Aus­stel­lun­gen und Infor­ma­tio­nen zu wei­te­ren Akti­vi­tä­ten von Pas­t­Wo­men. Die Sei­te steht in Spa­nisch, Kata­la­nisch, Eng­lisch und Fran­zö­sisch zur Ver­fü­gung und wird noch erwei­tert.

Link: http://www.pastwomen.net/

Kontakt

c/o Muse­um Herx­heim
Unte­re Haupt­stra­ße 153
76863 Herx­heim

vorstand@femarc.deors
redaktion@femarc.der

Bankverbindung

Fem­Arc e.V., Spar­kas­se Han­no­ver
IBAN: DE36 2505 0180 0910 2955 65
BIC: SPKHDE2HXXX

Spen­den in jeder Höhe sind wich­tig für unse­re Arbeit und will­kom­men. Ger­ne stel­len wir eine Spen­den­be­schei­ni­gung aus.

Situation archäologisch arbeitender Frauen August 2020

Gleichstellungsstandards neu gedacht: ein Kommentar

Gleichstellungsstandards neu gedacht: ein Kommentar

Autorin: Julia K. Koch, Datum: 13.07.2020

 

Die DFG hat ihre For­schungs­ori­en­tier­te Gleich­stel­lungs­stan­dards auf den neu­es­ten Stand gebracht – und sorgt für Unru­he in den Wis­sen­schafts­in­sti­tu­tio­nen. Denn ger­ne wer­den dort die Sta­tis­ti­ken zum Stel­len­ver­hält­nis1 Frau­en : Män­ner schön­ge­re­det und hin und her gedreht, bis die Per­spek­ti­ve einen etwas güns­ti­ge­ren Blick auf die Zah­len ergibt. Es ist gut und wich­tig, dass die DFG als einer der wich­tigs­ten Dritt­mit­tel­ge­ber in Deutsch­land die Chan­cen­gleich­heit anmahnt und ver­schie­dens­te För­der­mög­lich­kei­ten in ihrem Pro­gramm hat. Die Unter­stüt­zung der­je­ni­gen Wis­sen­schaft­le­rin­nen, denen die Kar­rie­re in den Uni­ver­si­tä­ten und Insti­tu­ten gelun­gen ist, ins­be­son­de­re bei der Mit­ar­beit in Gre­mi­en, ist rich­tig, denn dort wer­den die Ent­schei­dun­gen über die Rah­men­be­din­gun­gen des Wis­sen­schafts­sys­tems in unse­rem Land getrof­fen.

Es soll­te aber nicht über­se­hen wer­den, dass das gesam­te Sys­tem auf der Aus­nüt­zung des soge­nann­ten Mit­tel­baus beruht – durch (Kurz-)Zeitverträge, kur­ze För­der­pe­ri­oden, hohe Erfolgs­er­war­tun­gen in Form von inter­na­tio­na­len Kon­gress­be­su­chen und zahl­rei­chen Publi­ka­tio­nen. Nur fällt die­se Peri­ode lei­der in die Lebens­pha­se, in der Kin­der groß­ge­zo­gen und Eltern gepflegt wer­den möch­ten. Obwohl die fle­xi­blen Arbeits­zei­ten theo­re­tisch zulas­sen wür­den, vie­les orga­ni­siert zu bekom­men, ver­hin­dert die aus­ge­präg­te Anwe­sen­heits­kul­tur eben die­ses. Der Spa­gat der Mitarbeiter*innen zwi­schen Wis­sen­schaft und Fami­lie ist also sys­tem­im­ma­nent. Es wun­dert mich des­halb nicht, dass ver­nünf­tig den­ken­de Men­schen sich aus dem Sys­tem Wis­sen­schaft ver­ab­schie­den.

Um lang­fris­tig etwas zu ver­än­dern, bedarf es mehr als ein paar mehr Pro­fes­so­rin­nen und Hilfs­kräf­te zur Unter­stüt­zung der­sel­ben. Die tra­di­tio­nel­len Netz­wer­ke müs­sen auf­ge­bro­chen wer­den, sehr viel mehr unbe­fris­te­te Stel­len geschaf­fen – oder viel­leicht etwas ganz Neu­es gewagt wer­den: Wie wäre es mit einem 10-jäh­ri­gen Grund­ein­kom­men für die­je­ni­gen, die einen MA-Abschluss oder eine Pro­mo­ti­on geschafft haben und noch kei­nen unbe­fris­te­ten Arbeits­ver­trag vor­zei­gen kön­nen? Und zwar nicht nur für die kom­men­de Gene­ra­ti­on, son­dern für alle, die aktu­ell als Wissenschaftler*innen arbei­ten und leben möch­ten. Das wür­de Raum für ent­spann­tes, sor­gen­frei­es For­schen und Zeit für eige­ne Pro­jek­te schaf­fen sowie Abhän­gig­kei­ten auf beruf­li­cher wie pri­va­ter Ebe­ne ver­mei­den. M.E. wür­de der Erkennt­nis­ge­winn in den Wis­sen­schaf­ten davon pro­fi­tie­ren.


1
Diver­si­tät ist in der Daten­er­fas­sung bis­her kaum ange­kom­men.

Kontakt

c/o Muse­um Herx­heim
Unte­re Haupt­stra­ße 153
76863 Herx­heim

vorstand@femarc.deors
redaktion@femarc.der

Bankverbindung

Fem­Arc e.V., Spar­kas­se Han­no­ver
IBAN: DE36 2505 0180 0910 2955 65
BIC: SPKHDE2HXXX

Spen­den in jeder Höhe sind wich­tig für unse­re Arbeit und will­kom­men. Ger­ne stel­len wir eine Spen­den­be­schei­ni­gung aus.

Situation archäologisch arbeitender Frauen August 2020

Genderwochen bei „Miss Jones“

Genderwochen bei „Miss Jones“

Autorin: Fem­Arc-Redak­ti­on, Datum: 03.07.2020

 

Seit dem 14. Juni fin­det auf dem Blog „Miss Jones“ von Geesche Wilts die Akti­on „Gen­der­wo­chen“ statt. Dabei pos­tet sie im Zeit­raum von vier Wochen täg­lich neue Bei­trä­ge und Gast­bei­trä­ge rund um die Geschlech­ter­ar­chäo­lo­gie. Die­se decken ein wei­tes The­men­spek­trum von theo­re­ti­schen Grund­la­gen über die Geschich­te der Geschlech­ter­ar­chäo­lo­gie bis zu Gesell­schafts­for­men, Geschlech­ter­rol­len, ‑iden­ti­tä­ten und ‑ste­reo­ty­pen sowie ihre Deu­tung in der Archäo­lo­gie und ihre musea­le Dar­stel­lung ab. Ange­rei­chert sind sie mit span­nen­den Fall­bei­spie­len aus Archäo­lo­gie und Eth­no­lo­gie. Somit bie­ten sie einen inter­es­san­ten und zugäng­li­chen Ein­blick in das For­schungs­feld der Geschlech­ter­ar­chäo­lo­gie und zei­gen, wel­che Mög­lich­kei­ten sich hier für die Archäo­lo­gie bie­ten.

Link zum Blog: https://www.miss-jones.de/

Kontakt

c/o Muse­um Herx­heim
Unte­re Haupt­stra­ße 153
76863 Herx­heim

vorstand@femarc.deors
redaktion@femarc.der

Bankverbindung

Fem­Arc e.V., Spar­kas­se Han­no­ver
IBAN: DE36 2505 0180 0910 2955 65
BIC: SPKHDE2HXXX

Spen­den in jeder Höhe sind wich­tig für unse­re Arbeit und will­kom­men. Ger­ne stel­len wir eine Spen­den­be­schei­ni­gung aus.

Genderrollen in der Situlenkunst

Genderrollen in der Situlenkunst

Genderrollen in der Situlenkunst

Autorin: Cla­ra Schal­ler, Datum: 26.06.2020

 

Die hier zusam­men­ge­fass­ten Unter­su­chun­gen sind das Ergeb­nis mei­ner 2018 an der LMU bei Prof. Dr. Caro­la Metz­ner-Nebel­sick ein­ge­reich­ten Mas­ter­ar­beit. Eine über­ar­bei­te­te Fas­sung wur­de 2019 publi­ziert.

Die Situ­len­kunst der spä­ten Hall­statt- und frü­hen Latène­zeit ist ein The­ma, das in der For­schung bereits seit lan­ger Zeit aus­führ­lich dis­ku­tiert wird und eine der weni­gen nar­ra­ti­ven Dar­stel­lungs­ar­ten in die­ser Zeit. Sie zeigt Män­ner und Frau­en bei ver­schie­dens­ten Tätig­kei­ten. Dabei stellt sich die Fra­ge, inwie­fern die Dar­stel­lun­gen von Rol­len­bil­dern in der Situ­len­kunst mit der tat­säch­li­chen Lebens­welt der dama­li­gen Men­schen über­ein­stim­men.

Eine Ana­ly­se der ver­schie­de­nen Rol­len ergibt zunächst ein sehr kla­res Bild. Betrach­tet man die nackt dar­ge­stell­ten Figu­ren, so sind weib­li­che Geschlechts­merk­ma­le immer bei Figu­ren mit einem Schlei­er und männ­li­che Geschlechts­merk­ma­le immer bei Figu­ren mit Hüten oder Glat­zen zu fin­den. Es scheint sich somit um eine binä­re Auf­fas­sung von Geschlecht zu han­deln, wobei die Figu­ren in der Situ­len­kunst haupt­säch­lich über die unter­schied­li­che Haar­tracht bzw. Kopf­be­de­ckung iden­ti­fi­zier­bar sind. Män­ner wer­den dabei bei der Zube­rei­tung von Geträn­ken oder beim Räu­chern, beim Trin­ken, Füh­ren und Rei­ten von Pfer­den, beim Faust­kampf, Wagen­fah­ren, Pflü­gen, Fischen, Tra­gen von Rädern, bei der Ver­sor­gung und beim Opfern von Tie­ren sowie als Musi­ker, Gefan­ge­ne, Krie­ger oder Kämp­fen­de und Kin­der dar­ge­stellt. Frau­en tre­ten beim Spin­nen, Weben, Waschen von Füßen, beim Tra­gen von Schlüs­seln sowie als Gebä­ren­de und Heb­am­men auf. Über­schnei­dun­gen gibt es nur weni­ge, näm­lich beim Aus­schen­ken von Geträn­ken, beim Sex, als Tra­gen­de von Gefä­ßen oder Objek­ten sowie als Gehen­de oder Begleit­fi­gu­ren. Die Zahl der Rol­len (und der Dar­stel­lun­gen) von Män­nern ist damit deut­lich höher als die der Frau­en.

Der Stil der Situ­len­kunst ver­bin­det unter­schied­li­che Kul­tur­grup­pen. Auf­fäl­lig ist dabei, dass sich in der Aus­wahl der ver­schie­de­nen Rol­len regio­na­le Unter­schie­de abzeich­nen. Spin­nen­de und weben­de Frau­en etwa feh­len außer­halb Ita­li­ens in der Situ­len­kunst voll­stän­dig. Auch die Aus­wahl der Objek­te, die mit Situ­len­kunst ver­ziert wer­den, wie unter­schied­li­che Gefä­ße, Tracht­be­stand­tei­le und Waf­fen, unter­schei­det sich.

Wirft man nun einen Blick auf die Grab­fun­de, wird das Bild noch unkla­rer. Eini­ge Rol­len schei­nen hier weit­aus weni­ger geschlechts­spe­zi­fisch auf­ge­teilt, wer­den gar nicht abge­bil­det oder fin­den sich in der Situ­len­kunst nicht wie­der. Auch in ande­ren gleich­zei­ti­gen Kunst­äu­ße­run­gen im Situ­len­kreis und angren­zen­der Regio­nen, etwa Figür­chen, Stein­plas­tik und Kera­mik­de­kor, zeich­nen sich zum Teil Rol­len­bil­der ab, die in der Situ­len­kunst nicht vor­kom­men und umge­kehrt. Ins­ge­samt schei­nen sie sehr viel stär­ker dem regio­na­len Geschmack unter­wor­fen zu sein. Mit einem Blick auf Fall­bei­spie­le wer­den mög­li­che Grün­de für die­se Dis­kre­pan­zen deut­lich.

In den Grä­ber­fel­dern von Novo mes­to und Mag­da­lens­ka gora im slo­we­ni­schen Dolen­js­ko scheint sich eine Eli­ten­grup­pe abzu­zeich­nen, die die Situ­len­kunst nutz­te, um ein bestimm­tes Bild von sich nach außen zu trans­por­tie­ren und ihre eige­ne Ideo­lo­gie zu ver­brei­ten. Wie die rei­chen Grä­ber von Frau­en mit soge­nann­ten Zep­tern zei­gen, exis­tier­ten dane­ben aber zumin­dest zeit­wei­se auch Grup­pen, die sich in einer ande­ren Rol­le mit ande­ren Sta­tus­sym­bo­len dar­stell­ten.

Im Hei­lig­tum von Mechel in Tren­to, Ita­li­en fin­den sich zu Votiv­ble­chen umfunk­tio­nier­te Aus­schnit­te aus Situ­len­kunst. Dabei wur­de eine sehr enge Aus­wahl an Moti­ven getrof­fen, durch die hier auch nur Män­ner als Nut­zer des Plat­zes reprä­sen­tiert wur­den. Ande­re Fund­stü­cke machen aber gleich­zei­tig die Anwe­sen­heit von Frau­en wahr­schein­lich.

Es zeigt sich damit, dass es sich bei der Situ­len­kunst kei­nes­wegs um ein­fa­che und objek­ti­ve Lebens­bil­der han­delt. Viel­mehr ist sie als ein Instru­ment zur Selbst­dar­stel­lung ein­zel­ner Grup­pen zu ver­ste­hen. Auf­grund des ein­heit­li­chen Stils konn­ten sich die­se loka­len Grup­pen dabei in einen grö­ße­ren Kon­text, eine Art über­re­gio­na­le Eli­te ein­ord­nen. Durch den Gebrauch von Situ­len­kunst als ein Sta­tus­sym­bol konn­ten sie ihre Ideo­lo­gie gegen ande­re Eli­ten­grup­pen durch­set­zen.

Publi­ka­ti­on:

Cla­ra Schal­ler, Gen­der­rol­len in der Situ­len­kunst. Mit Schwer­punkt auf den Bei­spie­len aus der Regi­on Dolen­js­ko sowie von den alpi­nen Brand­op­fer­plät­zen. Uni­ver­si­täts­for­schun­gen zur prä­his­to­ri­schen Archäo­lo­gie 337 (Bonn 2019).

Kontakt

c/o Muse­um Herx­heim
Unte­re Haupt­stra­ße 153
76863 Herx­heim

vorstand@femarc.deors
redaktion@femarc.der

Bankverbindung

Fem­Arc e.V., Spar­kas­se Han­no­ver
IBAN: DE36 2505 0180 0910 2955 65
BIC: SPKHDE2HXXX

Spen­den in jeder Höhe sind wich­tig für unse­re Arbeit und will­kom­men. Ger­ne stel­len wir eine Spen­den­be­schei­ni­gung aus.

Situation archäologisch arbeitender Frauen August 2020

Fundstück: Gegenderte Sprache

Fundstück: Gegenderte Sprache

Autorin: Fem­Arc-Redak­ti­on, Datum: 12.06.2020

 

„Die Nut­zung nur eines Geschlechts hat wenig bis nichts mit einer bes­se­ren Les­bar­keit zu tun! Das ist die alte Aus­re­de, die immer genutzt wird, wenn Schrei­ben­de sich nicht die Mühe machen wol­len, ein paar Buch­sta­ben mehr zu ver­wen­den. Wagen Sie den Selbst­ver­such und lesen Sie mal einen gegen­der­ten Text – Sie wer­den mer­ken, schon nach dem ers­ten Absatz klappt das mit dem „Über­le­sen“ (oder auch: „ein­fa­cher lesen“) der gegen­der­ten Berufs­be­zeich­nung bei­spiels­wei­se schon ziem­lich gut! Da muss ich wenigs­tens kei­nen lan­gen ein­lei­ten­den Text bis zu Ende lesen, um mir kurz mit­tei­len zu las­sen, dass wir ja alle mei­nen – aber das nur lei­der nicht dar­stel­len wol­len‘.“

Quel­le: Michae­la Schau­er, Manu­el Mietz, Jan Schnei­der, CIfA-Umfra­ge 2020 zu Lohn­un­ter­gren­zen in der pri­vat­wirt­schaft­li­chen Archäo­lo­gie (Arbeits­pa­pie­re CIfA Deutsch­land 2). Archäo­lo­gi­sche Infor­ma­tio­nen 43, Ear­ly View, online publi­ziert 28. April 2020, S. 8. https://dguf.de/fileadmin/AI/ArchInf-EV_Schauer-etal.pdf

Die­ses Fund­stück, das aus dem frei­en Teil einer Umfra­ge stammt, spricht Bän­de. Wohl kaum bes­ser kann beschrie­ben wer­den, war­um gegen­der­te Spra­che gar nicht so schlimm ist und die Archäo­lo­gi­schen Infor­ma­tio­nen – gen­der­tech­nisch gese­hen – hin­ter der Zeit her­hin­ken. Dan­ke an die anony­me Autorin für die­ses State­ment!

Kontakt

c/o Muse­um Herx­heim
Unte­re Haupt­stra­ße 153
76863 Herx­heim

vorstand@femarc.deors
redaktion@femarc.der

Bankverbindung

Fem­Arc e.V., Spar­kas­se Han­no­ver
IBAN: DE36 2505 0180 0910 2955 65
BIC: SPKHDE2HXXX

Spen­den in jeder Höhe sind wich­tig für unse­re Arbeit und will­kom­men. Ger­ne stel­len wir eine Spen­den­be­schei­ni­gung aus.